Gib dem LKA keine Chance!

Ich hab mal geschaut: die meisten Antifa-Gruppen haben ihre E-Mail-Adresse bei web.de oder gmx.de. Hallo? Ist die Debatte über Vorratsdatenspeicherung so an euch vorbeigegangen? Bei diesen Hostern schaut die Polizei einfach nach, unter welcher IP das Postfach abgerufen wird, geht dann zum jeweiligen Internet-Service-Provider und schon hat sie euren Namen. Leichter kann man’s ihr wirklich nicht machen. Wie wär’s denn mit india.com als Mail-Hoster oder irgendeinem anderen Anbieter außerhalb der EU?

Es scheint wirklich keinerlei Grundwissen über die einfachsten Sicher­heitsvorkehrungen im Internet mehr zu existieren. Da könnt ihr euch sowas Kompliziertes wie TOR und PGP echt sparen! Wie wär’s denn mal, auf ’nem Antifa-Camp eine praktische Einführung in den Daten-Selbst­schutz zu organisieren, statt sich die zehntausendste Propaganda-Veranstaltung über den Nahostkonflikt reinzuziehen? So schwer ist das doch wirklich nicht mit dem Safer Internet. Informationen schützen!


11 Antworten auf „Gib dem LKA keine Chance!“


  1. Gravatar Icon 1 Hosenstrumpf 20. Juli 2009 um 10:11 Uhr

    Offtopic: Es gab da in Berlin eine Veranstaltung der Radio- und Fernsehwelt (Republica oder so). Da hat ein Amerikaner vorgetragen, was so der Unterschied zwischen Blogs in den Staaten als Presse und in Deutschland ist. Von wegen: in den Staaten gibt es richtig gute Blogs, die in der Politik mitmischen bzw. zu jedem Thema, was man sich so wünscht. In Deutschland wäre die Bloggerszene marginal.

    Und dann hat er die Blogs in Deutschland aufgelistet. Die größte Gruppe der Blogs, als quantitativ, sind die der „Antideutschen, ..wenn sie, meine Damen und Herren, wissen, was das ist.“ Au Backe…

  2. Gravatar Icon 2 jens 20. Juli 2009 um 11:13 Uhr

    Welche Hoster gibt es denn noch außer india.com — ich meine, wo auch pop3 funktioniert und die Limits bzgl. Speicher und versendtbarer Mails nicht zu beschränkt sind? Gibt es da eine Liste irgendwo im Netz? Ich hatte da in der Vergangenheit schon mal geguckt, bin dann aus Komfortgründen doch bei web.de geblieben (ich weiß schlechtes argument).

  3. Gravatar Icon 3 nachdenklich 20. Juli 2009 um 11:36 Uhr

    Wenn man ein eigenes Büro hat, relativiert sich das mit dem deutschen Anbieter. Aber grundsätzlich hast Du schon Recht. Wenn man diffuse ausländische Dienste benutzt (z.B. gawab.com) sollte man die Mails immer selber speichern, da die manchmal „verschwinden“. Ist mir bei gawab schon öfter passiert.

  4. Gravatar Icon 4 lysis 20. Juli 2009 um 12:22 Uhr

    jens: probier mal riseup.net oder safe-mail.net!

  5. Gravatar Icon 5 lizzy 23. Juli 2009 um 12:41 Uhr

    abgesehen davon, dass so „kuddelmuddelanbieter“ gern mal im spam landen, kann man die mails auch einfach mit tor abrufen und gut ist.
    woher willste denn wissen, ob die leute das machen oder nicht?

  6. Gravatar Icon 6 outsider 24. Juli 2009 um 7:19 Uhr

    gmx/web.de könnten theoretisch eher mit den behörden zusammenarbeiten, aber normalerweise brauchen diese auch einen richterlichen bescheid. problem ist die loggen vorrats-daten d.h. man ist möglicherweise leichter zu dataminen.

    details gibt es hier (PDF vom CCC)

    Es gibt noch hushmail.com die arbeiten aber auch mit usa behörden zusammen, gmail.com soll angeblich störrisch sein, was datenwiedergabe angeht.

    ein eigener server (mit verschlüsselter festplatte) ist datensicherheitstechnisch auch eine feine sache, keine vorratsdaten und so lange wie keiner den provider-besucht und das ding mitnimmt kommt niemand an die daten, wenn sie es mitnehmen müssten sie es erstmal entschlüsseln. das ist nach stand der gerüchte so weit nicht ohne weiteres möglich.

    hier noch ein sehr guter text:

    Digital Security for Activists (PDF)

    Naja ich glaube das wisst ihr alle selbst.

  7. Gravatar Icon 7 lysis 24. Juli 2009 um 13:46 Uhr

    gmx/web.de könnten theoretisch eher mit den behörden zusammenarbeiten, aber normalerweise brauchen diese auch einen richterlichen bescheid.

    sorry, das stimmt nicht, es ist viel krasser. die telekommunikations­dienstanbieter werden nicht mal gefragt, sondern müssen die verbindungsdaten vorsorglich zum automatisierten abruf durch die bundesnetzagentur in eine jederzeit zugreifbare kundendatei schreiben. und sie müssen auch noch sicherstellen, dass sie selber gar nicht mitbekommen, wenn daten von der agentur abgerufen werden! richterliche beschlüsse sind zur abfrage der daten nicht erforderlich. hierzu § 112 TKG:

    (1) Wer Telekommunikationsdienste für die Öffentlichkeit erbringt, hat die nach § 111 Abs. 1 Satz 1, 3 und 4 und Abs. 2 erhobenen Daten unverzüglich in Kundendateien zu speichern […] Der Verpflichtete hat zu gewährleisten, dass
    1. die Bundesnetzagentur für Auskunftsersuchen der in Absatz 2 genannten Stellen jederzeit Daten aus den Kundendateien automatisiert im Inland abrufen kann,
    2. der Abruf von Daten unter Verwendung unvollständiger Abfragedaten oder die Suche mittels einer Ähnlichenfunktion erfolgen kann.

    […] Der Verpflichtete hat durch technische und organisatorische Maßnahmen sicherzustellen, dass ihm Abrufe nicht zur Kenntnis gelangen können.

    (2) Auskünfte aus den Kundendateien nach Absatz 1 werden
    1. den Gerichten und Strafverfolgungsbehörden,
    2. den Polizeivollzugsbehörden des Bundes und der Länder für Zwecke der Gefahrenabwehr,
    3. dem Zollkriminalamt und den Zollfahndungsämtern für Zwecke eines Strafverfahrens sowie dem Zollkriminalamt zur Vorbereitung und Durchführung von Maßnahmen nach § 39 des Außenwirtschaftsgesetzes,
    4. den Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, dem Militärischen Abschirmdienst, dem Bundesnachrichtendienst,
    5. den Notrufabfragestellen nach § 108 sowie der Abfragestelle für die Rufnummer 124 124,
    6. der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sowie
    7. den Behörden der Zollverwaltung für die in § 2 Abs. 1 des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes genannten Zwecke über zentrale Abfragestellen

    nach Absatz 4 jederzeit erteilt, soweit die Auskünfte zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben erforderlich sind und die Ersuchen an die Bundesnetzagentur im automatisierten Verfahren vorgelegt werden.

  8. Gravatar Icon 8 dude 30. Juli 2009 um 21:06 Uhr

    Auch falsch!

    Da die Antifa vermutlich nie eine Katalogstraftat nach § 100 a StPO erfüllt haben wird, können bei einem FreeMailer auch keine IPs abgefragt werden. Es ist ja hier schließlich ein Beschluss nach § 100 g StPO erforderlich.

    Bitte erstmal informieren über Vorratsdatenspeicherung und dergleichen.

    MfG

  9. Gravatar Icon 9 friddes 08. August 2009 um 21:28 Uhr

    Hi, ich bin durch Zufall hier gelandet (googlete nach „gawab.com“). Vielleicht ist das Thema ja schon out. Trotzdem eine kleine Anmerkung meinerseits: Bei aller -Diskussion über Vorratsdatenspeicherung usw., warum verschlüsseln so wenige ihre E-Mails? Thunderbird und Enigmail sind hier die Stichworte. Es erfordert ein bisschen Eingewöhnung und – zugegebenermaßen – etwas Überredungsarbeit im Bekanntenkreis, dann funktioniert das alles. Das muss einfach nach dem Motto laufen: Ich verschicke auch keine Postkasten, sondern Briefe (Umschlag!). Ist „Big Brother“ einmal im Haus, dann helfen natürlich weder verschlüsselte Festplatten noch sonstige Ausreden etwas, sondern nur noch Kooperation. Kurz gesagt: DANN ist alles zu spät!

  10. Gravatar Icon 10 pressback 05. Dezember 2011 um 15:54 Uhr

    Ich hab mir vor ein paar Monaten wegen der Tipps hier ein Postfach bei india eingerichtet und kann davon nur abraten. Meine Mails verschwanden permanent in irgendwelchen SPAMordnern, wurden von Listen nicht akzeptiert usw. Keine Ahnung, ab es die Kombi von „exotischem“ Server plus pgp-Buchstabensalat ist oder was auch immer, jedenfalls werd ich das Postfach wohl wieder ändern müssen.

    Falls jemand also gute Vorschläge hat, bei denen sich das Problem evtl. weniger stellen könnte: Immer her damit! Sonst wird es wohl ein Postfach bei riseup.

  1. 1 » Brüller des Tages: Die meisten Antifa-G … Nachtwächter-Blah Pingback am 25. Juli 2009 um 15:37 Uhr
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