Archiv für August 2009

Material fürs Nationbuilding

Einer der verbreitetsten Legenden der hiesigen Israel-Soli-Bewegung lautet, dass der Staat Israel, wäre er nur zehn Jahre eher gegründet worden, Millionen von Juden das Leben hätte retten können. In seinem Buch Es war einmal ein Palästina nimmt sich der israelische Historiker Tom Segev diesen Mythos vor und konfrontiert ihn mit den begrenzten Möglichkeiten des Jischuv, der kaum in der Lage gewesen wäre, Millionen von Menschen innerhalb von nur wenigen Jahren aufzunehmen und mit Nahrung und Obdach zu versorgen. Mehr noch aber zeigt Segev, welche zynische Haltung die Arbeiterzionisten um David Ben Gurion gegenüber den Verfolgten entwickelten, als sie Mitte der 30er Jahre erkannt hatten, dass das zionistische Staatsgründungsprojekt für die Bedrohung durch den europäischen Antisemitismus keinerlei überzeugende – jedenfalls aber hinreichend kurzfristige – Lösung anzubieten hatte: Man begann, die Flüchtlingströme als Zulieferer eines nach eugenischen Kriterien zu sortierenden Menschenmaterials zu betrachten, das vornehmlich unter dem Aspekt seiner „Pioniertauglichkeit“ für das nation building in Palästina ausgewählt wurde. Trauriger Höhepunkt dieser Politik war eine Einwanderungssperre für geistig behinderte Kinder sowie die Gründung eines Gewerkschaftsfonds, der die Rückführung chronisch kranker Juden nach Europa finanzieren sollte, damit diese „der Gemeinschaft und ihren sozialen Einrichtungen“ nicht länger „zur Last“ fallen würden. (mehr…)

Wrongly lumped together

Der analytische Philosoph John Searle über den „fröhlichen Positivisten“ Michel Foucault und ihr beider feindseliges Verhältnis zu Jacques Derrida:

Michel Foucault, who was more hostile to Derrida even than I am, […] said that Derrida practiced the method of obscurantisme terroriste (terrorism of obscurantism). We were speaking French. And I said, „What the hell do you mean by that?“ And he said, „He writes so obscurely you can‘t tell what he’s saying, that’s the obscurantism part, and then when you criticize him, he can always say, ‚You didn‘t understand me; you‘re an idiot.‘ That’s the terrorism part.“ And I like that. So I wrote an article about Derrida. I asked Michel if it was OK if I quoted that passage, and he said yes.

Foucault was often lumped with Derrida. That’s very unfair to Foucault. He was a different caliber of thinker altogether.

The Iron Wall (2006)

Palestinian documentary about Israeli settlement policy …

Youtube playlist, 6 parts, 57 min.

Global Apartheid – It’s A Walled World

Walled World
Click to enlarge!

(via meta.blogsport)

Griechische Mythologie

Café Morgenland hat auf seiner Homepage einen offenen Brief der autonomen Gruppe Terminal 119 aus Thessaloniki veröffentlicht, der die Verharmlosung des griechischen Antisemitismus durch einen Aufsatz in der Zeitschrift KONKRET zum Gegenstand hat. Der Brief blieb, wie eh und je, unbeantwortet.

In der Ausgabe 6/2009 wurde ein Artikel mit dem Titel „Im Namen des Volkes“ bezüglich des Freispruchs des griechischen Neonazi Plevris durch ein Athener Gericht veröffentlicht.
Wir möchten hiermit auf einige Kardinalfehler des Autors Eberhard Rondholz hinweisen.

Wir wundern uns, woher und auf welchen Fakten die Behauptung „Griechenland gehörte zu den wenigen von den Deutschen besetzten Ländern Europas, in dem die Juden fast überall auf Schutz und Hilfe hatten rechen können“ basiert. Noch schlimmer: Diese Behauptung pflegt den inzwischen etablierten Mythos über die angebliche Unterstützungs- und Hilfsbereitschaft der christlichen Griechen gegenüber ihren jüdischen Landsleuten. Anbei beispielhaft einige der zahlreichen Fakten, die belegen, daß Antijudaismus und Antisemitismus seit Bestehen der griechischen Gesellschaft ein konstitutiver Faktor war und bis heute ist:

(Weiterlesen …)

Talleyrand an Khamenei

„Sire, Sie können mit einem Bajonett alles machen, aber Sie können nicht darauf sitzen.“ – Gefunden in den lesenswerten Fragmenten der Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft über „die Tage, die Teheran erschüttern“.

Neue Termine: Homophober Moslem, toleranter Westen?

Hier die nächsten Termine mit Vortrag und Diskussion zum Thema „Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“. Die Veranstaltung in Hannover wird einen anderen Schwerpunkt als im April haben, so dass man sie ruhig ein zweites Mal besuchen kann. (Im November soll es außerdem noch mal je eine Veranstaltung in Wien und Berlin-Pankow geben; Genaueres steht leider noch nicht fest.)

HANNOVER
Mo, 17. August ’09, 19:30 Uhr
Annabee Buchladen
Stephanusstr. 12-14
Veranst.: Queer Labor

ERFURT
Do, 20. August ’09, 19:00 Uhr
Altes Innenministerium
Heinrich-Mann-Str. 11
Veranst.: Polyfantasiawoche

GÖTTINGEN
Mo, 26. Oktober ’09, 20:00 Uhr
Apex pro Art e.V.
Burgstr. 46
Veranst.: Gruppe 180°

Thomas Jefferson’s „liberal“ approach

In a peculiar twist, Thomas Jefferson [1743 – 1826], a man who is usually noted as a[n] enlightened voice in American history, drafted a proposed revision of Virginia’s laws. In it, he specified that the penalty for sodomy among men should be castration, and for women, a hole should be cut in the nasal cartilage [dt. „Nasenscheidewand“] of at least one half inch in diameter apparently in the belief that torture was preferable to the death penalty. Jefferson’s proposal was unique not only because it specified mutilation as a punishment, but because he broke with the English tradition and included women in his definition of sodomy. Fortunately, Jefferson’s „liberal“ approach was never made law.

Source: gayhistory.com