Aufschlag in der Wüste des Realen

Der homophobe Anschlag auf einen LGBTQ1-Jugendtreff in Tel Aviv, der zwei Menschen das Leben kostete, bringt auch die beiden regressiven Pole der deutschen Linken: Antiimps und „Anti-D“s, wieder zum Tanzen – jedenfalls wenn man die abgefahrenen Kommentarspalten bei Indymedia liest. Im Grunde verwundert das nicht, denn das Thema Homophobie wurde jahrelang dazu benutzt, Linke und Liberale auf die Seite Israels zu ziehen und (wenn auch manchmal nur implizit) eine ideologische Legitima­tion für die systematische Entrechtung der Palästinenser_innen zu liefern.

Entsprechend hat sich auch in Israel seit einiger Zeit eine Art politischer Arbeitsteilung etabliert: Während der ultraorthodoxe Innenminister Eli Yi­shai (Shas) „Homosexuelle und Lesben“ in der Knesset als „kranke Menschen“ bezeichnet, denen er eine „schnelle Genesung“ (und die baldige Erfindung einer chemischen Medikation) wünscht, benutzt der faschistische Außenminister Avigdor Liebermann (Jisra‘el Beitenu) das Thema, um „die internationale schwule Gemeinschaft“ für Israels politische Ziele „zu rekrutieren“ (Ha‘aretz).

So verherrlichen ausgerechnet von einer rechtskonservativen Regierung produzierte PR-Videos das liberale, „schwulenfreundliche“ Tel Aviv und stellen ihm seine dunklen, „unzivilisierten“ arabischen Nachbarn gegenüber. Ungeachet der zahlreich dokumentierten Menschenrechtsverletzungen an Palästinenser_innen, welche unter einer israelischen Militärdiktatur leben müssen, die sich frei und ungehemmt solcher Mittel wie Folter, Apartheid und jahrelanger Inhaftierung ohne Gerichtsurteil bedient, mutiert Israel in diesen Propaganda-Clips über das Seitenthema „Homosexualität“ zu einem wahren Leuchtfeuer der Demokratie und Menschenrechte.

Allerdings ist diese PR nicht halb so dreist wie gewisse „antideutsche“ Flugblätter, in denen noch die rassistische Besatzungspolitik als im Interesse der Palästinenser_innen selbst liegend dargestellt wird. So schreibt beispielsweise die bundesweite Organisation JungdemokratIn­nen/Junge Linke:

Israel als bürgerliche Gesellschaft [sic!] […] bietet all den­jenigen Schutz, die in den umliegenden arabischen Ländern keine Chance hätten: Schwule, Lesben, selbst­bewußte Frauen, Atheisten und individualistische Leute, die keine Lust haben, ihr Leben als Attentäter zu beenden.

Diese Argumentation hat nur leider einen Haken: sie ist nicht wahr. Denn während Israel seine rechtsextreme und religiös fanatisierte Siedler­population zu Hunderttausenden in die besetzten Gebiete exportiert, werden einzelne schwule Flüchtlinge auf den Straßen von Jerusalem und Tel Aviv gejagt, um sie bei nächster Gelegenheit zurück in die palästinen­sischen Homelands verfrachten zu können. So schreibt Blair Kuntz in Queer as a Tool of Colonial Oppression:

Während israelische Apologeten die liberale Schwulenrechts­politik ihres Landes loben, hat Israel leider nichts getan, um schwule Ausreißer zu beschützen. Die meisten Ausreißer kamen in der Ära der Oslo-Verträge, aber keinem von ihnen wurde Asyl oder eine offizielle Aufenthaltserlaubnis gewährt. Tatsächlich hat die israelische Polizei mehrere Dutzend schwuler Ausreißer an Checkpoints in der Westbank und im Gazastreifen vertrieben, schwule palästinensische Ausreißer verhaftet und zurück ins Westjordanland geschickt. Verfolgung aus Gründen der sexuellen Orientierung rechtfertigt laut einem Abkommen der UNHCR, das Israel unterschrieben hat, die Gewährung von Asyl, aber noch nie wurde der Beschwerde eines schwulen palästinensischen Flüchtlings stattgegeben. In der Tat hat Israel noch keinem einzigen Palästinenser jemals den Status eines Asylflüchtlings zuerkannt, sei er schwul oder heterosexuell – noch nicht einmal jenen, die glaubhaft versichern können, dass ihnen bei einer Abschiebung in die Westbank oder den Gazastreifen der Tod drohe. Wie Kathleen Peratis von Human Rights Watch bemerkt, sind davon nur Menschen ausgenommen, die „sich mit dem Staat Israel und seinen Zielen identifizieren“ und „einen bedeutsamen Akt vollzogen haben, die Sicherheit des Staates zu befördern“ – mit anderen Worten: Kollaborateure.

Die Instrumentalisierung des Themas Homophobie durch Organisationen wie BAK Shalom, welche sich für das Schicksal von palästinensischen Männern, die Sex mit Männern, und Frauen, die Sex mit Frauen haben, leidlich desinteressieren, sofern sie es nicht für ihre Pro-Okkupations-Propaganda einsetzen können, ist von daher reichlich absurd. Ihr kann man im Grunde nur ein Zitat von Leslie Feinberg – einer bekannten jüdisch-amerikanischen Kommunist_in und Transgender-Aktivist_in – entgegenhalten:

Taking the historic struggle to end oppression based on sexuality, gender and sex out of the world context of today’s battle of formerly colonized countries against imperialism will not advance the goal of sexual and transgender liberation […] nor will it build genuine ties of solidarity. In fact, it misdirects the struggle into alignment with the worldwide goal of imperi­alism.2

Dass das nicht bedeutet, sich mit den regressiven Formen des Widerstands durch die palästinensische religiöse Rechte in Gestalt einer solch Ekel erregenden Organisation wie der Hamas gemein zu machen, sollte ebenfalls klar sein. Sich davon zu distanzieren, bedeutet aber noch lange nicht, für das israelische Apartheids-Regime in den besetzten Gebieten Partei zu ergreifen.

Für weiterführende Literatur siehe Queers against Israeli Apartheid!

  1. LGBTQ = Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, and Questioning. [zurück]
  2. Zit. n. Jin Haritaworn ; Tamsila Tauqir ; Esra Erdem: „Queer-Imperialismus“. In: Kien Nghi Ha u.a. (Hrsg.): Re/Visionen: Postkoloniale Perspektiven von People of Color auf Rassismus, Kulturpolitik und Widerstand in Deutschland. Münster : Unrast, 2007. 187. [zurück]

26 Antworten auf „Aufschlag in der Wüste des Realen“


  1. Gravatar Icon 1 Ronda 04. August 2009 um 21:50 Uhr

    Jetzt also doch wieder „Apartheid“?

  2. Gravatar Icon 2 lysis 04. August 2009 um 23:26 Uhr

    Ist es wichtig, wie man’s nennt? Die Fakten liegen schließlich auf dem Tisch.

  3. Gravatar Icon 3 eumel 05. August 2009 um 3:38 Uhr

    Ist es wichtig, wie man’s nennt?

    klar. hattest hier ja auch schon argumente geliefert, warum „arpatheid“ der falsche begriff ist.
    aber props für die poetische überschrift.

  4. Gravatar Icon 4 lysis 05. August 2009 um 3:41 Uhr

    Das waren damals eben falsche Argumente, gedrechselt aus einem guten Stück Philosemitismus – den zu beziehen übrigens ziemlich bequem ist. Man vermeidet es so, sich in die Nesseln zu setzen.

    An der Sachlage ändern Begriffe aber nichts. Wenn man die Okkupationspolitik, die auf einer krass asymmetrischen Behandlung von Palästinensern und jüdischen Siedlern in so ziemlich allen existenziellen Fragen beruht (Landerwerb, Häuserbau, Wasser­versorgung, Bewegungsfreiheit, Verfolgung von Straftaten u.v.m.), nicht als Apartheid bezeichnen will – macht es sie dadurch vielleicht annehmbarer?

    Mir scheint, dass sich viele mit dem Begriff zugleich auch der Kritik entledigen wollen und meinen, sich dann nicht mehr darum scheren zu müssen, was die israelische Siedlungs- und Besatzungspolitik tat­sächlich beinhaltet. Der Vollhorst Ivo Bozic fragt jetzt schon in der Jungle World: „Siedeln, warum nicht?“. Und man fragt sich, ob er wirklich so blöd ist oder einfach nur ein zynisches Arschloch, das nichts dabei findet, wenn die Palästinenser von rechtsextremen Siedlern unter Assistenz des israelischen Militärs peu à peu zu den Heloten des 21. Jahrhunderts gemacht werden.

  5. Gravatar Icon 5 unkultur 05. August 2009 um 8:22 Uhr

    Das geht schon hart in die Richtung Totalitarismustheorie: Dort die „regressiven Pole“, hierdie einzige Insel der Vernuft. Und wie immer gilt: alles Verrückte, außer einem selbst. Und damit die Ideologie wieder stimmt, müssen alle graduellen Unterschiede im politischen System zwischen Israel und Palästina eingedampft werden, schließlich sei ja alles irgendwie böse. Wie man mit Foucault als theoretischem Hintergrund zu ähnlich dogmatischen Unsinn kommt, wie ansonsten nur marxistische Gruppen mit ihrem Großmeister, das beweist der obige Artikel.

  6. Gravatar Icon 6 andreas 05. August 2009 um 9:32 Uhr

    Gegen das Menschenrecht auf Israelkritik.

  7. Gravatar Icon 7 dünner 05. August 2009 um 10:09 Uhr

    lysis schreibt differenziert über die lage von homosexuellen im nahen osten und du willst alles wieder schön relativiert haben, äh, du willst eine „differenzierung“, bei der die guten seiten israels gegen die schlechten palästinas kontrastiert werden unter vernachlässigung des israelischen imperialismus.
    ist das antideutsche großmeisterei/ideologie/theoretischer hintergrund oder einfach nur blöd?

  8. Gravatar Icon 8 negative potential 05. August 2009 um 11:27 Uhr

    Lysis bezeichnet Antiimps und Antideutschen richtigerweise als „regressiv“, ist aber selber nicht in der Lage, in Klassenbegriffe zu denken. Vielleicht hilft das hier weiter:

    http://www.wildcat-www.de/wildcat/wc_krieg_2003/wk3palm1.htm

  9. Gravatar Icon 9 negative potential 05. August 2009 um 11:30 Uhr

    P.S.

    Every state is an apartheid state!

  10. Gravatar Icon 10 Entdinglichung 05. August 2009 um 13:03 Uhr

    U.S. accused of killing gay Iraqis (ESSF/Washington Blade)

  11. Gravatar Icon 11 amit romem 05. August 2009 um 14:20 Uhr

    kann nur empfehlen:

    Israel, Palestine, and Queers
    by Haneen Maikey and Jason Ritchie

    http://www.monthlyreview.org/mrzine/mr280409.html

    und zum Redebeitrag einer israelischen queer Aktivistin gestern in Berlin

    http://www.youtube.com/watch?v=aQlxsH43zDQ

  12. Gravatar Icon 12 Thiel Schweiger 05. August 2009 um 23:14 Uhr

    Die von dir geschilderte Weigerung Israels, verfolge homosexuelle Palästinenser_innen aufzunehmen, ist zwar auf den ersten Blick schon krass, aber ich finde, du machst es dir zu einfach. Man muss ja dabei berücksichtigen, dass es de facto einen Kriegszustand gibt und es besteht halt das Risiko, dass die Hamas vermeintliche Verfolgte ins Land schmuggelt, um dann Anschläge zu verüben. In Kriegen ist es doch meistens so. Insofern finde ich das jetzt keinen Riesenskandal, auch wenn es natürlich für die realen Verfolgten, die in Israel Schutz suchen fatal ist. Ich würde halt sagen, sie sind Opfer des Krieges, aber nicht direkt Israels.

  13. Gravatar Icon 13 lysis 06. August 2009 um 15:12 Uhr

    lol, klar, weil ein hamas-terrorist in israel nichts besseres zu tun hat, als sich einem langjährigen asylverfahren zu unterziehen, bevor er die leine zieht und sich in die luft sprengt! sorry, aber das ist abwegig. andere gründe liegen da viel näher, wie sie etwa blair kuntz ausführt:

    Schwule, die aus den palästinensischen Gebieten geflohen sind, werden niemals die Rechte von Flüchtlingen gewährt bekommen, weil dies auch als Versuch angesehen wird, ein ’schleichendes Rückkehrrecht‘ zu erwerben.

    davon abgesehen ging es mir aber auch gar nicht um die gründe, warum israel den palästinenser_innen das asylrecht verweigert. es ist ja sowieso eine fiktion, dass palästinensische „schwule“ zuerst an israel dächten, wenn sie sich davonmachen wollen. jordanien liegt da viel näher, und die meisten streben sicher eher nach amman als nach tel aviv, wo sie nur als rassistisch diskriminierte, in der regel obdachlose und von der polizei gejagte männliche prostituierte überleben können. das ist ja nun nicht gerade das paradies!

    es ging mir schlicht darum, dass man israel nicht als schutzhafen für „Schwule, Lesben, selbst­bewußte Frauen, Atheisten und individualistische Leute“ darstellen soll, wenn das einfach nicht stimmt. israel bietet keinem einzigen araber schutz oder asyl, wenn er sich nicht gerade als kollaborateur verdient gemacht hat. im gegenteil, wenn man blair kuntz glauben darf, haben die israelischen geheimdienste palästinensische schwule in der vergangenheit sogar selbst erpresst und der gefahr ausgesetzt, als feindliche informanten von säkularen organisationen wie der fatah ermordet zu werden:

    Indeed, […] what is less documented is Israel’s own role in creating homophobia in Palestinian society through the blackmailing of gay Palestinians. As with Palestinian children, recruiting Palestinian gays as collaborators is part and parcel of Israel’s policy to maintain control over Palestinian territory. The Israeli secret police often exploit gay Palestinians by coercing them into working undercover to gather information about other Palestinians. Those accused of being collaborators are at risk of stigmatization, exclusion, and occasionally retaliation. Gays identified as collaborators stigmatize gay men in general, and collaborators of all stripes are shown little mercy, especially when they are connected to serious incidents leading to the death of other Palestinians.

  14. Gravatar Icon 14 earendil 06. August 2009 um 15:27 Uhr

    Jörn Schulz zum Anschlag in der Jungle World:

    Da der Jugendclub auch von arabischen Israelis besucht wird, könnte der Täter ein Familienangehöriger sein, der die Homosexualität ­eines Verwandten nicht akzeptieren wollte. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass jüdische Rechtsextremisten für den Anschlag verantwortlich sind.

    Würde der Club ausschließlich von jüdischen Israelis besucht, käme ein Familienangehöriger als Täter natürlich nie in Frage… Obwohl der Artikel direkt im Anschluss die Homophobie in der israelischen Gesellschaft schildert. Da sitzt wohl beim Autor die Verknüpfung von Homophobie und Arabern ganz schön fest.

  15. Gravatar Icon 15 lysis 06. August 2009 um 15:36 Uhr

    Du weißt doch, dass die Jungle World ein rassistisches Hetzblatt ist.

  16. Gravatar Icon 16 negative potential 07. August 2009 um 11:52 Uhr

    andere gründe liegen da viel näher, wie sie etwa blair kuntz ausführt:

    Ehehehehehe. You said „Kuntz“.

  17. Gravatar Icon 17 saltzundessick 08. August 2009 um 9:57 Uhr

    keine wirkliche glanzleistung: ein homophober mordanschlag wird benutzt, um gegen „israelisches Apartheids-Regime“ und faschistische judenminister zu polemisieren.

  18. Gravatar Icon 18 Thiel Schweiger 08. August 2009 um 19:01 Uhr

    Naja, wenn die Asylverfahren kürzer und einfacher wären, wäre das durchaus eine Option. Außerdem ist denke ich schon davon auszugehen, dass terroristen zu langfristiger Planung fähig sind. War ja bei 9/11 auch so.

    Dass es im Inneren Israels homophophe Tendenzen gibt, wollte ich ja nicht abstreiten. Aber das ist sicher nicht der Hauptgrund für die strengen Asylverfahren. Israel könnte es ja eher propagandistisch ausschlachten, wenn es im großen Maße verfolgte Palästinenser_innen aufnehmen würde.

  19. Gravatar Icon 19 Juli 08. August 2009 um 19:31 Uhr

    @ Thiel Schweiger & Lysis

    Ähnliche Phänomene gibt es ja auch in anderen Kontexten. Etwa wenn die deutsche Bundesregierung 1999 unter rot-grün zum Krieg gegen Jugoslawien mobilisiert, und gleichzeitig die laut eigener Propaganda von schwerer Verfolgung betroffenen an den Grenzen abgewiesen werden. Insofern ist es Business as usual. Genauso wie die nur zögerliche Anerkennung von geschlechts- und sexualitätsbezogener Verfolgung als Asylgrund in Deutschland sicherlich auch mit dem patriarchal-heterosexistischen Standard zu tun hat, der hierzulande noch immer gepflegt wird. Von daher würde es mich jetzt erstmal wundern, wenn das in anderen bürgerlichen Nationalstaaten (und da zählt auch Israel zu, da hilft auch kein sic!…)anders wäre.

  20. Gravatar Icon 20 lysis 08. August 2009 um 21:51 Uhr

    Das „sic!“ bezieht sich darauf, dass die liberalen Dummbatzen aus dieser ehemaligen FDP-Jugendorganisation bürgerliche Staatlichkeit als etwas konstruieren, das Lesben und Schwulen quasi aus ureigenem Prinzip heraus Schutz böte. Ich mein, wie wenig Ahnung von Ge­schichte muss man eigentlich haben, um nicht zu wissen, dass bürger­liche Staaten die moderne „Schwulenverfolgung“ (und eine andere gibt es nicht) allererst erfunden haben? Und dass es gerade mal 15 Jahre her ist, dass sich in diesen Staaten, inklusive Israel, Kuba, China und – mit großen Abstrichen – den USA, die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass man auf diese Verfolgung mal langsam ver­zichten könne, weil sich im letzten Jahrhundert längst effektivere Mittel der sozialen Kontrolle heraus­gemendelt haben?

    Was die Jungdemokrat_innen hier betreiben, ist blanker Geschichts­revisionismus und ein dreister Schlag ins Gesicht aller historischen Opfer des Paragraphen 175, der US-amerikanischen „Sodomiegeset­ze“ oder des britischen buggery law, das in der Ära des Imperialismus übrigens in zahlreiche kolonisierte Gebiete exportiert wurde und dort teilweise – wie in Jamaika oder Pakistan – noch heute Gültigkeit besitzt. (In Indien wurde es erst letzten Monat abgeschafft!) Wenn man keine Ahnung von Geschichte hat, dann soll man besser die Fresse halten, statt in seinen Flugblättern revisionistische Schauer­märchen zu verbreiten und den zu „Schwulen“ rassifizierten Leuten einzureden, sie hätten Staaten mit einer bürgerlichen Verfolgungsge­schichte (die z.B. in angelsächsischen Ländern bis in die 1860er Jahre hinein die Todesstrafe beinhaltete!) „als solchen“ dank­bar zu sein.

    Tut mir leid, dass ich diese mir abverlange Dankbarkeit leider nicht gewähren kann. Ja, ich möchte mich direkt als undankbar bezeichnen, und zwar ganz besonders gegenüber den Jungdemokrat_innen und ihrem fürsorglichen Interesse am Schicksal der armen „Schwulen“, das sie wider alle historische Wahrheit als Propagandainstrument für den bürgerlichen Staat und seine rassistische Sortierungsgewalt benut­zen.

    Dafür von mir die rote Karte an die Mannschaft mit dem gelben Trikot!

  21. Gravatar Icon 21 Juli 10. August 2009 um 12:50 Uhr

    ach so, ja das kann ich nachvollziehen. ich hatte das „sic!“ auf die wörtliche bedeutung und nicht auf den kontext bezogen….

    davon abgesehen…. *vomhundertstelinstausendstelgeh*

    … bin ich mir ja nicht sicher, ob und inwiefern es sinnvoll ist, bei jedweder form von herrschaftsförmiger zuschreibung von „rassifizierung“ zu schreiben. denn ich würde erstmal ganz naiv davon ausgehen, das sich die unterschiedlichsten zuschreibungen und die mit ihnen verbundenen lebensverhältnisse doch qualitativ (nicht: quantitativ!) unterscheiden. zumindest wüsste ich nicht wo der vorteil liegen sollte, diese formen alle mit dem selben wort („rassistisch“) zu beschreiben.

  22. Gravatar Icon 22 lysis 10. August 2009 um 14:01 Uhr

    oh, du kannst gerne auch von „spezifizierung“ sprechen, so der original-terminus von foucault. es ist allerdings nicht nur ein assoziativer link, sondern die biologische spezifizierung der „homosexuellen“ ist ein resultat derselben wissensprozeduren, in denen auch der gegenstand „rasse“ hervorgebracht wurde.

    „homosexualität“ war ein gegenstand der rassenhygiene als bürgerlicher (sic!) disziplin, die sich mit der reinhaltung der keimbahnen von juden, „negern“, homosexuellen, behinderten und asozialen befasste. insofern gibt es da einen gemeinsamen boden.

    eine gleichsetzung von rassismus und homophobie hinsichtlich ihrer folgen und effekte für den einzelnen war damit aber nicht intendiert.

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