Wrongly lumped together

Der analytische Philosoph John Searle über den „fröhlichen Positivisten“ Michel Foucault und ihr beider feindseliges Verhältnis zu Jacques Derrida:

Michel Foucault, who was more hostile to Derrida even than I am, […] said that Derrida practiced the method of obscurantisme terroriste (terrorism of obscurantism). We were speaking French. And I said, „What the hell do you mean by that?“ And he said, „He writes so obscurely you can‘t tell what he’s saying, that’s the obscurantism part, and then when you criticize him, he can always say, ‚You didn‘t understand me; you‘re an idiot.‘ That’s the terrorism part.“ And I like that. So I wrote an article about Derrida. I asked Michel if it was OK if I quoted that passage, and he said yes.

Foucault was often lumped with Derrida. That’s very unfair to Foucault. He was a different caliber of thinker altogether.


12 Antworten auf „Wrongly lumped together“


  1. Gravatar Icon 1 negative potential 29. August 2009 um 9:34 Uhr

    Dude, I blogged this a year and a half ago!

    |-)|-)|-)|-)|-)

  2. Gravatar Icon 2 classless 29. August 2009 um 10:09 Uhr

    So, essentially because Foucault didn‘t understand Derrida, it’s wrong to associate them?

  3. Gravatar Icon 3 bigmouth 29. August 2009 um 12:10 Uhr

    ich habe wirklich nicht den eindruck, dass es beiden um das gleiche ging. derridas tendenz zu wortspielen und ABSICHTLICHER unklarheit finde ich bei foucault nicht

    Chomsky beurteilt Foucault sehr hart, sieht ihn aber ebenfalls getrennt von leuten wie Derrida

    http://cognet.mit.edu/library/books/chomsky/chomsky/5/8.html

    und

    http://libcom.org/library/noam-chomsky-postmodernism

    searle und chomsky dürften politisch weit entfernt voneinander sein, sie bemerken aber beide diese distanz. zufall? wohl eher ne tatsache über foucault

  4. Gravatar Icon 4 lysis 29. August 2009 um 15:29 Uhr

    Naja, Chomsky ist (obwohl als Linguist selber nur schwer zu verdau­en), was die Sozialwissenschaften angeht, intellektuellen­feindlich bis zu einem absoluten Extrem, weil er meint, dass schon die schiere Existenz von Intellektuellen auf diesem Gebiet (dem Gebiet der res publica) so etwas wie einer politischen Entmündigung der „einfachen Leute“ gleichkommt. Für ihn wäre sogar Marx ein rotes Tuch gewesen. Aber immerhin:

    One can learn a lot from history, as from life, as long as it avoids the pretentious tomfoolery required by intellectuals for career and power reasons. Take Foucault, whom you mention. With enough effort, one can extract from his writings some interesting insights and observations, peeling away the framework of obfuscation that is required for respectability in the strange world of intellectuals, which takes on extreme forms in the weird culture of postwar Paris. Foucault is unusual among Paris intellectuals in that at least something is left when one peels this away.

    @classless: Ich wüsste nicht, was Derrida und Foucault gemeinsam haben, außer dass sie beide französische Intellektuelle waren – was vielen (anti)deutschen „Kulturschaffenden“, die in Frankreich eine Art geistigen Erbfeind erkennen, ja schon vollkommen ausreicht. Aber vielleicht kannst du ja mal ausführen, warum du es trotzdem für sinnvoll hältst, diese Personen inhaltlich miteinander zu „assoziieren“. Mir fiele nämlich kein einziger Grund ein. Doch möglicherweise liegt das nur daran, dass ich Derrida nicht wirklich verstanden habe. ;)

  5. Gravatar Icon 5 nope 30. August 2009 um 0:02 Uhr
  6. Gravatar Icon 6 Tioum 30. August 2009 um 20:37 Uhr

    Alan Sokal und Jean Bricmont schrieben dereinst ein Buch genau zu solchen Luftblasenproduzenten:

    «Insbesondere wollen wir den Nimbus zerstören, den einige Texte besitzen: Sie seien deshalb so schwierig zu verstehen, weil die darin vorgebrachten Gedanken so tiefgründig seien. In vielen Fällen werden wir aufzeigen, dass die Texte einzig und allein deshalb so schwierig erscheinen, weil sie absolut nichts aussagen.»

    «Die Verwendung von im Grunde bedeutungslosen Schlagworten und Sätzen. Einige der betreffenden Autoren lassen sich zwar wahrhaft berauschen von Worten, deren Bedeutungen sind ihnen aber zugleich ganz und gar gleichgültig.»

    «Die Zurschaustellung von Halbbildung, indem man schamlos mit Fachbegriffen um sich wirft, die im konkreten Zusammenhang völlig irrelevant sind. Der Zweck besteht zweiflesohne darin, den wissenschaftlich nicht vorgebildeten Leser zu beeindrucken und – vor allem – einzuschüchtern.»

    np: Feindschaften kann man doch auch pflegen, ohne gleich ins kindische *Bähbäh, war erster* abzudriften.

  7. Gravatar Icon 7 lysis 30. August 2009 um 23:20 Uhr

    Aber bitte nicht vergessen: die Kritik trifft auf Hegel ebenso sehr zu wie auf Adornos Negative Dialektik – eine inhaltslose Luftblase sondergleichen.

    Die Franzosen sind wirklich nicht die ersten, die mit dieser Masche Erfolge feiern. Und in gewisser Weise haben sie sie erst relativ spät von den Deutschen gelernt – mit Heidegger als zentraler Inspirations­figur.

    Das heißt aber nicht, dass jeder schwierige Text inhaltlos sei. Kants Kritik ist auch schwierig, ohne dass ihm bisher jemand bescheinigt hätte, dass hinter den Worten keine Bedeutung haust. Und schwierig ist natürlich auch das Kapital, wenn auch auf gänzlich andere Art und Weise.

    Kurz, man sollte sich ein bisschen vor dem Abgleiten ins Ressentiment hüten, wenn man nicht am Ende bei Poppers Die offene Gesellschaft und ihre Feinde rauskommen möchte (der übrigens ganz zu unrecht mit „Posititivismus“ oder analytischer Philosophie gleichgesetzt wird).

  8. Gravatar Icon 8 nope 31. August 2009 um 19:51 Uhr

    Das klang auch schon verdächtig polemisch, mal eben über DEN Hegel oder aber DIE Franzosen ein paar Qualitätsurteile abzugeben, wo doch tatsächlich nur der konkrete Beitrag etwas aufzeigen kann. Insofern ist die von Tioum zitierte Paraphrase ihr eigener Katalysator ins Naive hinein: jemand Inhaltsleere vorhalten aufgrund von verwendeten Fachbegriffen kann tatsächlich schnell in Intellektuellenfeindlichkeit (auch wenn eine berechtigte Kritik am Nimbus des Intellektuellen vorzutragen geboten ist) oder Regression münden, wo es eben darum geht manchen Theoretiker dem Abschuss anheim zu geben. Dass Adorno viel konzentrische Ausführungen um einfache Sachverhalte macht, kann tatsächlich auch einer Haltung, einem gepflegten Jargon liegen, den er an Heidegger so sehr kritisierte (Habermas bezweifelt irgendwo, dass Adorno Heidegger überhaupt mehr als oberflächlich gelesen hat). Was also in der „DdA“ oder der „ND“ schon mal als selbstgefälliges Schwätzen erscheinen mag, dass eben an den buntschillernden Worten und Begriffen Gefallen hat, wendet sich in „Kulturkritik und Gesellschaft“ oder frühen Studien des Instituts durchaus in „wirklich“ wissenschaftliche Arbeit, wenn man darunter das Zusammenklauben von Empirie versteht (bspw.).

    Insofern ist es mir auch suspekt Hegel in Sippenhaft zu nehmen, wo er an einer Stelle sagt, dass seine Leser einfach ein paar allgemeinbildende Kenntnisse mitbringen sollten, bevor unbeleckt in die Phänomenologie stürzen. Sicher, es ist eine Sache, das Griechische auf das Deutsche anzuwenden, es ist jedoch etwas anderes aus dieser technischen Prämisse des Autors (und man wird sich sicher schwer tun darin eine nur persönliche Idiosynkrasie zu entdecken) ein Problems des Textes selbst zu machen. Verglichen mit heutigen Publikationen erscheint die Wortwahl tatsächlich als Härte. Interessant wäre hier einmal das vergleichende Lesen und eine Geschichte des wissenschaftlichen Texts/der wissenschaftlichen Prosa.
    Bourdieu weist folgerichtig darauf hin (in ‚Homo academicus‘), dass Personen wie Derrida, Barthes und auch Foucault in ihrer professoralen Seinsweise/Habitus, ihrer universitären Position als Marginalisierte (teilweise ohne Promotionsrecht) sich dem wissenschaftlichen Tun entsagten und in einer unverbindlicheren Prosa ihre Arbeiten verfassten.

    Man müsste dort aber auch näher nach wiss. Disziplinen unterscheiden: Adorno wäre sicher eher der Sozialphilosophie zuzuschlagen als bspw. der empirischen Soziologie.
    Übrigens, um nochmal auf Searle zurückzukommen: die modernen Cultural Studies, allen voran Butler beziehen sich doch gern auf diese „performativen Akte“, die sprachlichen Äußerungen zugrundeliegen. Direkter Bezug auf Austin und Searle. Wenden die Theorie dann ins gesellschaftskritische. Das witzige an der Sprachphilosophie, die sich in der Traditionslinie Russell-Wittgenstein-Frege sieht, ist doch gerade ihr Zirkel, wonach die Sprache als eigenes handlungsanleitendes Regelsystem verstanden wird.
    Bourdieu, der sich in Teilen für seine Kapital- und Habitustheorie auf die Sprachanalysen von Austin bezieht, verweist aber folgerichtig auf das Zirkuläre dieser „entkörperlichten“ Sprache, die Macht und Geltung besitzen soll aus ihrer eigenen Hervorbrinung heraus, wo nur die gesellschaftliche Konnotation verbunden sein kann mit realen und jenseits der Sprache liegenden Machtinstitutionen.

  9. Gravatar Icon 9 Gramática esencial 31. August 2009 um 22:13 Uhr

    „John Searle once told me about a conversation he had with the late Michel Foucault: „Michel, you´re so clear in conversation, why is your written work so obscure?“ to which Fouault replied, „That´s because, in order to be taken seriously by french philosophers, twenty-five percent of what you write has to be impenetrabel nonsense.“

    Daniel Dennett, Breaking the Spell, P. 405

  10. Gravatar Icon 10 lysis 01. September 2009 um 0:18 Uhr

    @nope: Nein, ich halte die Dialektik der Aufklärung für ein durchaus sachhaltiges, wenn auch sprachlich manchmal etwas verschwiemeltes Werk, das sich absichtlich zur „Flaschenpost“ für wenige eingeweihte Leser macht. Meine Kritik hab ich ganz gezielt auf die Negative Dialektik beschränkt. Das ist das schlechteste, inhaltsloseste, verkehrteste, für die Ausbildung eines eigenen Adorno-Jargons darum aber auch mit Abstand folgenreichste Werk.

    Zwei etwas ungeschminkte, aber durchaus treffende Rezensionen:

    So nicht, „Herr“ Adorno
    Man kann Adorno sicher nicht vorwerfen, er hätte sich mit diesem Buch keine Mühe gemacht, denn Mühe hat er sich gemacht; doch wie so oft hat vielleicht gerade dieser Übereifer die zugegebenermaßen kaum vorhandene Potenz dieses Autors an einer erfolgreichen Wirkung und Entfaltung gehindert. Denn schon gleich zu Beginn unterläuft Adorno eine scheinbar unscheinbarer, doch, wie sich zeigen wird, verhängnisvoller Fehler: er verwechselt die „Inhärenz der affirmativen Aspekte eines Subjekts der Philosophie“ mit der Indolenz derselben. Diese Verwechslung zieht weitreichende Folgen nach sich, ähnlich einer Staubflocke, die man gedankenlos einen Abfluss runterspült, die aber aus irgendeinem Grund an einer Unebenheit des Abflussrohres hängenbleibt und diese dadurch so vergrössert, dass sie auch anderem Unrat ein willkommener Grund, dort hängenzubleiben, wird. Mit der Zeit werden durch diese stetig wachsende fröhliche Versammlung die Abflußleitungen des ganzen Hauses blockiert, Toiletten laufen über, Gestank breitet sich aus usw. usf., bis dann durch ein glückliches Zusammenlaufen mehrerer Wasserströme der Druck so gross wird, dass die angesammelte Bagage fortgespült wird. Doch was zunächst wie eine Befreiung aussieht, wendet sich bald zum Schlimmeren, denn dieser nun angewachsene Komplex bleibt natürlich wieder mal hängen, und zwar in den unterirdischen Kanalleitungen. Die Tragödie, die sich vorher sozusagen en miniature in einem Haus abgespielt hat, wiederholt sich, die Folgen treffen jetzt ganze Strassenzüge und Stadtteile: es gibt kein Trinkwasser mehr, die Menschen müssen in den Park, um ihre Notdurft zu verrichten, Krankheiten brechen aus. Ähnlich ergeht es der Negativen Dialektik, Adorno schaffte es nicht, einen Ausweg zu finden, auf ein Happy End wartet der Leser vergeblich.

    Schall und Rauch!?
    Theodor Wiesengrund Adorno bezeichnete sein Spätwerk, die „Negative Dialektik“ (1966) als ein „Anti-System“, und um diesen Titel gerecht zu werden, mußte der Gegner der großen Systeme einen unerbittlichen Feldzug gegen den Totalitätsanspruch vergangener Denker und Philosophen vom Zaun brechen. Dass er dabei sich selbst auf eine ominöse Meta-Ebene emporhebt und damit auf schwankendem Untergrund steht, verkennt der, wie viele Intellektuelle seiner Zeit, an Hybris leidende, Soziologe. Dies hat zur Folge, dass sein Schreibstil kryptisch ist, der Rezipient sich durch jeden Paragraphen kämpfen muss, nur um den Anspruch Adornos gerecht zu werden, der an anderer Stelle die Meinung vertrat, Deutschland verfüge nur über drei Menschen, die fähig seien Musik zu verstehen. Um also dieses Werk einer Hand voll erlauchter Intellektueller vorzubehalten, versucht der Autor das wissbegierige geistige Proletariat mit Hilfe von philosophiegeschichtlichen Anspielungen, griechischen Textpassagen und Exkursen fernzuhalten – ein geschickter, wenn auch fragwürdig, perfider Schachzug. Versucht der scharfsinnige Leser hinter den destruktiven, mitunter unsachgemäßen Kritiken, Adornos eigene Position herauszufiltern, zeigt sich auf brutale Weise, dass der alte Herr nur in historischen Positionen herumschwimmt ohne Schaffung einer eigenen Begrifflichkeit, geschweige denn Neuerungen in der „Kritischen Theorie“. Letztlich bleiben einige, wenige Thesen – Fragmente, die sich immer und immer wieder repitieren: ganz hübsch, ganz traurig, doch kaum lesenswert.

  11. Gravatar Icon 11 Pent C. Klarke 01. September 2009 um 6:13 Uhr

    ver­wech­selt die „In­hä­renz der af­fir­ma­ti­ven As­pek­te eines Sub­jekts der Phi­lo­so­phie“ mit der In­do­lenz der­sel­ben

    voll der mumpitz. ist das jetzt ernst gemeint?

  12. Gravatar Icon 12 Sacher-Masoch-Torte 01. September 2009 um 19:51 Uhr

    @ PCK

    ver­wech­selt die „In­hä­renz der af­fir­ma­ti­ven As­pek­te eines Sub­jekts der Phi­lo­so­phie“ mit der In­do­lenz der­sel­ben

    voll der mumpitz. ist das jetzt ernst gemeint?

    Edel-Polemiker Adorno darf raunen und unexakt rumholzen, aber niemand sonst?

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