Archiv der Kategorie 'Germany'

Honeckers wehrhafte Demokratie — eine Bilanz

Nachdem ich einem Freund ein paar alte Ausgaben der Bahamas aus den späten 90ern verliehen hatte, kam ich auf den Gedanken, mal selbst wieder in den ein oder anderen Artikel zu schauen und ein kleines Cut-up von Texten aus einer Zeit zu erstellen, als diese Leute noch nicht ganz zur Vorhut eines neuen Rassismus vom Schlage Herres und Ulfkottes verkommen waren. — Der folgende Text von Justus Wertmüller aus der Nr. 25 (1998) ist eine — darf man’s sagen? — leninistische Intervention gegen die Renaissance des demokratischen Sozialismus in der Programmatik der „Radikalen Linken“ (RL), die 1989 mit der Parole „Nie wieder Deutschland“ zum Kristallisationspunkt für die Entstehung der ersten Generation Antideutscher geworden war, mit den heutigen Kindersoldaten der NATO bis auf den Namen allerdings nicht viel gemein hat: (mehr…)

Kontinuitäten deutschen Denkens

Wenn Neoliberale bloggen, liest sich das ungefähr so:

Bei Mises und Hayek kann der geneigte Leser sich ein Bild davon machen, daß das Verhängnis des 20. Jahrhunderts sehr viel damit zu tun hat, daß ausgerechnet Deutschland, das Land der Staatsvergottung par excellence, zum Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts geistiges Ausfuhrland, (oder wie man heute wohl sagen würde: „Exportweltmeister“) gewesen ist. Ganz im Banne deutschen intellektuellen Einflusses stehend, verließen schließlich auch die angelsächsischen Länder – zeitverzögert – den Weg der Freiheit und begaben sich mit Beveridge-Reformen und F.D.R.’s „New Deal“ auf die Bismarckianische Straße zur Knechtschaft.

Da das weder neu noch besonders originell ist, hat Foucault diesen Diskurs bereits vor 30 Jahren einmal gründlich durch die Mangel genommen. Hier ein Ausschnitt: (mehr…)

Neoliberalismus als „deutsche Ideologie“

Deshalb, aus diesem Grunde wollte ich die Organisation dessen untersuchen, was man das deutsche Modell und seine Verbreitung nennen könnte, wobei es natürlich klar ist, daß dieses deutsche Modell, wie ich es zu beschreiben versucht habe und wovon ich Ihnen nun einige Verbreitungsformen zeigen möchte, nicht das so oft herabgewürdigte, verbannte, öffentlich bloßgestellte und beschimpfte Modell des Bismarckschen Staates ist, der sich zum Hitler-Staat entwickelt. Das deutsche Modell, das sich ausbreitet und das in Frage steht, das deutsche Modell, das zu unserer Gegenwart gehört, das ihr unter seinem wirklichen Zuschnitt eine Struktur und ein Profil gibt, dieses deutsche Modell ist die Möglichkeit einer neoliberalen Gouvernementalität.

Michel Foucault, Vorlesung am 7. März 1979, in: Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernementalität II (Suhrkamp : Ffm., 2006), 269.

BILD lässt die Hunde los

Seitdem der Feuilleton-Chef der ZEIT, Jens Jessen, ein paar richtige Anmerkungen zu der von Rentnern kultivierten Atmosphäre der Intoleranz gemacht hat, wütet der landeseigene Lynchmob und will ihn am liebsten am nächsten Baum aufknüpfen. Die Süddeutsche Zeitung fasst die ungefilterten Reaktionen des deutschen Netzkübels schlaglichtartig zusammen:

Angefeuert durch Bild und FAZ, tobt nun eine Welle der Empörung in Internetforen, Blogs, und Userkommentaren. Was dort zu lesen ist, ist zuweilen justiziabel: Man solle dem “Deutschland-Hasser”, diesem “hinterhältigen und verdorbenen Gesellen”, dem “charakterlosen Wurm” auf die “Fresse hauen”, den “ekelhaften Rotfaschisten” auf den “Müllhaufen der Geschichte” werfen, das “widerliche linke Schwein” in der U-Bahn so verprügeln, “dass er sich für den Rest seines Lebens von Flüssignahrung ernähren muss”. Es wird gefragt, ob man ihm “bei Gelegenheit den Schädel eintreten” dürfe, oder gefordert, dass “Schläge das Denkvermögen” erhöhen mögen und sich der “Perversling” schämen soll und schließlich wird dort gehofft, dass Jessen seinen Job verliert, “oder besser noch: Verschwinden Sie aus Deutschland. Ich klage Sie an wegen Verbrechen gegen das deutsche Volk” — und so geht das in Hunderten Kommentaren in einem fort. Es kann einem schlecht werden dabei.

(via)

Ein unerträglicher Zustand

Es wird nicht mal die Hypothese diskutiert, ob es sein kann, dass dieses Massenphänomen (Anmache von völlig fremden, durch völlig fremde Leute), bevorzugt wiederum gegen „Ausländer“, insbesondere anzutreffen bei der Generation H (mit J am Ende), aber auch bei den anderen Deutschen, tatsächlich ein unerträglicher Zustand ist. Dass es zumindest für die Betroffenen eine nicht auszuhaltende Situation darstellt, und daher abgestellt bzw. reglementiert werden muss. Bei allem Verständnis, das wir für diesen lebenswichtigen und wesensartigen teutonischen Hedonismus haben, muss es doch möglich sein, dass sie irgendwann einmal damit aufhören. (Café Morgenland)

Serkan hat keine Chance!

Als Ende November 1992 die Großmutter und die zwei kleine Töchter der türkischen Familie Arslan in Mölln durch zwei Jungdeutsche, Michael Peters und Lars Christiansen verbrannt wurden, war Serkan gerade mal fünf Jahre alt. Er hat davon kaum etwas mitbekommen.

Er wuchs in „zerrütteten“ Verhältnissen auf. Der Vater Alkoholiker, die Mutter und die Kinder wurden geschlagen, bis sich die Mutter vom Vater trennte. Irgendwann schob der deutsche Staat den Vater in die Türkei ab, Serkan blieb „dahoam“. Wo sollte er auch hin?

Er war hier geboren und aufgewachsen – wenn es überhaupt Aufwachsen genannt werden kann, als „Kümmeltürke“ beschimpft, in der Schule gehänselt, auf der Strasse gegängelt zu werden; und vor Allem jene ewigen Hassblicke, die ihm herabwürdigend entgegengeschleudert wurden. Allein unter den Deutschen. Er landete mit 11 Jahren in einem Erziehungsheim.

Das „Erziehen“ hat gerade mal ein Jahr gedauert. Er war wieder auf der Strasse. Mal verübte er einen Autoeinbruch, mal ließ er etwas mitgehen, um so zumindest seinen Abstieg selber zu bestimmen. Und es ging so weiter. Die „Türkenbrut“, der „Kanake“, der sich nicht benimmt „in unserem Land“, wo es „früher so was nicht gegeben hat“. Er wurde so lange wie ein Stück Dreck, wie Ungeziefer behandelt, bis er soweit war; eine Wanze halt, die man jederzeit zwischen den Fingern zerquetschen kann, ohne mit der Wimper zu zucken.

Sie haben ihm nichts gelassen. Er schaffte es trotzdem, ein Stück Würde zu behalten, so als einen rettenden Strohhalm, um weiter atmen zu können: Er legte Grenzen fest, die die Anderen mit ihrem Vernichtungswahn nicht überschreiten dürften, Grenzen, innerhalb derer er lebendig wurde, und bei deren Verletzung er zurückschlug, als Nachweis dessen, dass es ihn noch gibt.

So auch am 20. Dezember in der Münchner U-Bahn.
(Weiterlesen bei Café Morgenland …)

Ab ins Lager!

Mit der Errichtung von Lagern für straffällig gewordene Heranwachsende nähern sich die innenpolitischen Repressionsbemühungen der Berliner Regierung historischen Vorläufern. Die Einrichtungen, die offiziell mit englischer Bezeichnung versehen werden („Camps“), um Erinnerungen an die Lager der NS-Zeit nicht zu wecken, werden besonders mit ausländischen Heranwachsenden in Verbindung gebracht und als Alternative zu deren Abschiebung gehandelt. Sie erweitern das bestehende Netz von Lagern zwecks Sammlung in Deutschland nicht erwünschter Ausländer. (Weiterlesen …)

(via)

Zentralrat sieht Koch in Nazi-Nähe

der zentralrat der juden warf hessens ministerpräsident unverblümten fremdenhass und xenophobie vor. zusammen mit der bildzeitung würde er eine rechtsextreme hetzkampagne gegen menschen mit migrationshintergrund in deutschland führen, so die vorsitzende des zentralrats der juden in deutschland knobloch zur welt am sonntag. „roland koch sagt, er spreche für eine schweigende mehrheit in diesem lande. leider hat er recht.“

(quote)