Archiv der Kategorie 'Religion'

Neue Termine: Homophober Moslem, toleranter Westen?

Hier die nächsten Termine mit Vortrag und Diskussion zum Thema „Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“. Die Veranstaltung in Hannover wird einen anderen Schwerpunkt als im April haben, so dass man sie ruhig ein zweites Mal besuchen kann. (Im November soll es außerdem noch mal je eine Veranstaltung in Wien und Berlin-Pankow geben; Genaueres steht leider noch nicht fest.)

HANNOVER
Mo, 17. August ’09, 19:30 Uhr
Annabee Buchladen
Stephanusstr. 12-14
Veranst.: Queer Labor

ERFURT
Do, 20. August ’09, 19:00 Uhr
Altes Innenministerium
Heinrich-Mann-Str. 11
Veranst.: Polyfantasiawoche

GÖTTINGEN
Mo, 26. Oktober ’09, 20:00 Uhr
Apex pro Art e.V.
Burgstr. 46
Veranst.: Gruppe 180°

C‘est l‘Eglise!

Eine Religion, die derart Anspruch erhebt auf die tägliche Regierung der Menschen in ihrem wirklichen Leben unter dem Vorwand ihres Heils und im Maßstab der Menschheit, das ist die Kirche, und es gibt dafür in der Geschichte der Gesell­schaften kein weiteres Beispiel. Ich denke, daß sich hier, mit dieser Institutionalisierung einer Religion als Kirche – und ich muß dies recht knapp ausführen – ein Machtdispositiv zumin­dest in seinen großen Linien formt, das nirgendwo sonst zu finden ist, ein Machtdispositiv, das niemals aufgehört hat, sich innerhalb von fünfzehn Jahrhunderten zu entwickeln und im großen und ganzen zu verfeinern, sagen wir, vom zweiten, dritten Jahrhundert nach Christus bis zum 18. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die pastorale Macht, die vollkommen an die Organisation einer Religion als Kirche gebunden ist, der christlichen Religion als christlicher Kirche, diese pastorale Macht hat sich zweifellos im Laufe dieser fünfzehn Jahr­hunderte währenden Geschichte beträchtlich verändert. Zwei­fellos wurde sie in verschiedene Formen deplaziert, disloziert, transformiert, integriert, doch wirklich abgeschafft wurde sie im Grunde genommen nie. Und wenn ich das 18. Jahrhundert als Ende des pastoralen Zeitalters ansetze, ist es wahrscheinlich, daß ich mich nochmals irre, denn die pastorale Macht, die als Macht ausgeübt wird, ist in ihrer Typologie, ihrer Organisation, in ihrer Funktionsweise tatsächlich etwas, von dem wir uns zweifellos noch immer nicht frei gemacht haben.

Michel Foucault, Sicherheit, Territorium, Bevölkerung : Geschichte der Gouvernementalität 1 : Vorlesung am Collège de France 1977-1978. Hrsg. v. Michel Sennelart, übers. v. Claudia Brede-Kronersmann u. Jürgen Schröder. Frankfurt a. M. : Suhrkamp, 2006. 218 f.

Terror im Namen der Glaubensfreiheit: die religiöse Rechte in Deutschland

NDR vom 24. 6. 09: „Evangelikale Christen attackieren Journalisten“.

(via Mission Gottesreich)

Hurra, Henryk jetzt beim Kurier?

Berliner Kurier: "1. Islam-Grill in Berlin"

Titelseite „Berliner Kurier“ vom 2. 7. ’09

Making sense of the revolution

Die zwei herausragendsten Iran-Analysen der letzten Tage:

  • Ali Schirasi rekapituliert den Aufstieg der Revolutionsgarden zur Macht in klassenanalytischen Begriffen (und man fühlt sich spontan an Marx‘ Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte erinnert),
  • während Slavoj Žižek in der Straßenrevolte gegen den Operettenfaschismus Mahmud Ahmadinedschads (einer Art iranischem Berlusconi) angesichts der „Allahu Akbar“-Rufe und der grünen Bänder eine Wiederkehr der verdrängten authentischen Aspekte des religiös inspirierten Massenaufstands im ersten Jahr der sog. Khomeini-Revolution erkennen will:

    what this means is that there is a genuine liberating potential in Islam – to find a “good” Islam, one doesn’t have to go back to the 10th century, we have it right here, in front of our eyes.

Ich höre schon heftigen Protest! Wer will zuerst?

Wider den antirevolutionären Verbalradikalismus – ein Blogsport-Battle mit Wendy

Wer weiß, was Wendy, unserer sagenhaften Bahamas-GSP-Schimäre, jetzt schon wieder über die Leber gelaufen ist. Erst beschimpft er den linken iranischen Schriftsteller Ali Schirasi auf meta.blogsport als „alten Hetzer“1 (obwohl der alles andere als ein Kumpan von Kriegstreibern und Rassisten ist, wie z.B. der von der Jungle World hofierte „Sprecher“ der imaginären Grünen-Partei des Iran, Kazem Moussavi). Und nun lässt er sich nicht lumpen, noch die revoltierenden persischen Massen, die im Kampf gegen das Mullah-Regime ihr Leben aufs Spiel setzen, als „Aufstandsbewegung von enttäuschten Islamisten“ zu denunzieren. Dafür reicht ihm allein die folgende Feststellung:

Die [iranische] Opposition, die dem deutschen Linken so schöne Wichsvorlagen liefert, begehrt nicht gegen Wahlen und Herrschaft, sondern gegen das schlechte Abschneiden ihres Kandidaten auf.

Dass noch fast jede Revolution mit Forderungen begann, die das System scheinbar nicht in Frage stellten, sondern sich in den approbierten herrschaftlichen Bahnen bewegten, ist Wendy offenbar ein Fremdwort. Dabei liefert Russland dafür das beste Beispiel: der sozialistischen Oktoberrevolution ging mit einiger Notwendigkeit die demokratische Februarrevolution voraus, die wiederum auf der russischen Revolution von 1905 aufsattelte, in welcher tatsächlich so „radikale“ Dinge wie eine konstitutionelle Monarchie gefordert wurden! Slavoj Žižek erklärt, was Wendy offenbar nicht verstehen kann oder will: (mehr…)

Imam Daayiee Abdullah (USA)
in memory of his first love

Directed by Afdhere Jama

De Regli isch en Souhund

Zürich, 1482: Ritter Richard von Hohenburg wird mit seinem Burschen Anton Mätzler aus Lindau im Beisein von 10 000 Menschen wegen der "Ketzerei", die sie aneinander begangen hätten, lebendig verbrannt.Tagesanzeiger, 28. 4. 09:

Zum Eclat kams gestern im Kantonsrat direkt vor der Kaffeepause. Landwirt Michael Welz (Oberembrach), Sprecher der religiös-konservativen EDU, baute in seiner Fraktionserklärung alle Vorurteile gegen Schwule ein. Homosexualität sei nicht gottgewollt und «mit vielen gesundheitlichen Risiken behaftet». Wenn mit der Euro-Pride 09 in den nächsten Wochen schwul-lesbische Festivitäten unterstützt würden, sei das ein Propagandafeldzug «zur Beeinflussung unserer Jugend und Gesellschaft».

Die Stadt Zürich werde fünf Wochen lang zu einer Werbeplattform für den homosexuellen Lebensstil umfunktioniert und wende sich damit «vom Segen Gottes ab», sagte Kantonsrat Welz. Völlig unverantwortlich sei deshalb, dass mit der Unterstützung durch Zürich Tourismus, der SBB und der Stadt Zürich «staatliche Sponsorengelder» in diesen verwerflichen Anlass flössen. «Gott schenke Befreiung aus der Homosexualität», rief er vor konsternierten Zuhörern in den Saal.

Tagesanzeiger, 29. 4. 09: (mehr…)