Archiv der Kategorie 'Religion'

Böses Christentum

„Daniel Regli“ via EuroPrideTV:

Diese ewige Anklage des Christenthums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände giebt, — ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen … Ich heisse das Christenthum den Einen grossen Fluch, die Eine grosse innerlichste Verdorbenheit, den Einen grossen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, — ich heisse es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit … (Friedrich Nietzsche)

Das System katholische Kirche, oder:
La mala educación

Dublin (AFP) — Ein tausende Seiten starker Bericht über die Qualen von Mädchen und Jungen in Einrichtungen der katholischen Kirche erschüttert Irland. Prügel und der sexuelle Missbrauch vor allem von Jungen waren in diesen Häusern seit den 30er Jahren an der Tagesordnung, wie aus der Studie hervorgeht. […]

Die Kinder hätten jeden Tag aufs Neue in Angst vor Schlägen gelebt, heißt es in dem Bericht, den die irische Regierung vor neun Jahren in Auftrag gegeben hatte. Ein „Klima der Angst“ habe in den meisten Einrichtungen geherrscht, schreiben die Verfasser des 2500-seitigen Dokuments. In Einrichtungen für Mädchen habe es auch sexuellen Missbrauch gegeben, allerdings nicht systematisch. Die Täter konnten demnach „über einen langen Zeitraum unentdeckt“ handeln. Den Opfern sei nicht geglaubt worden, sie seien der Verdorbenheit bezichtigt und oft schwer bestraft worden.

Die Studie wirft Kirche und Staat in Irland vor, die Augen vor den Zuständen in den Einrichtungen verschlossen zu haben. Jeder gemeldete Missbrauch sei von der Kirche als Einzelfall und verschwiegen behandelt worden. Bestenfalls seien die Täter versetzt, zum Schutz der Minderjährigen dagegen sei nichts getan worden. In den wenigen Fällen, in denen das Erziehungsministerium von sexuellem Missbrauch erfahren habe, sei auch vom Staat der Mantel des Schweigens über die Vorfälle gebreitet worden.

Im einzelnen heißt es in der Studie weiter, der Missbrauch von Jungen habe von „unangemessenen Berührungen“ bis hin zur Vergewaltigung gereicht. In Jungenschulen seien die Schüler schon für geringe Vergehen „lange und übermäßig“ körperlich bestraft worden – Ziel sei „soviel Qual wie möglich“ gewesen.

„Homophober Moslem, toleranter Westen?“ (Termin-Update)

Brauch jetzt wohl langsam nicht mehr viel dazu zu sagen. Hier die nächsten Termine mit Vortrag (keine Lesung, wie mancherorts angekündigt!) und ausgiebiger Diskussion zum Thema „Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“. (Die Diskussionen, denen ich möglichst großen Platz einräume, machen mir eigentlich von mal zu mal mehr Spaß; vielleicht, weil ich in meinen Antwortversuchen immer routinierter werde, ganz sicher aber auch deshalb, weil die Qualität der Fragen und Beiträge in letzter Zeit so enorm zugenommen hat, dass ich den Eindruck habe, jedes Mal was Neues – einen Gedanken oder eine andere Perspektive – mit nach Hause zu nehmen. Dafür danke!)

OLDENBURG
So, 17. Mai ’09, 17:00 Uhr
Infoladen „Roter Strumpf“
Alhambra
Hermannstr. 83

DRESDEN
Mi, 27. Mai ’09, 19:30 Uhr
Hörsaalzentrum (HSZ)
Bergstr. 64, Raum 201
Veranstalter: SchLaU Dresden

MÜLHEIM an der Ruhr
Fr, 5. Juni ’09, 20:00 Uhr
Autonomes Zentrum (AZ)
Auerstr. 51
Veranst.: Genderterror.de

ZÜRICH
So, 7. Juni ’09, 11:00 Uhr
Les Complices
Anwandstr. 9
Veranst.: off_pride

CHEMNITZ
Di, 9. Juni ’09, 17:00 Uhr
Neues Hörsaalgebäude (TU)
Reichenhainer Str. 90, Raum N010
Veranst.: Rosa-Luxemb.-Stiftung

HANNOVER
Mo, 17. August ’09, 19:30 Uhr
Annabee Buchladen
Stephanusstr. 12-14
Veranst.: Queer Labor

Lost and found

Ein Satz, den ich (ver)meinte, bei Walter Benjamin gelesen zu haben, und den ich dann dort jahrelang immerzu vergeblich suchte, hat sich jetzt, auf wundersame Weise, bei Gerschom Scholem wieder angefunden:

Das ganz Neue hat Elemente des ganz Alten, aber dieses ganz Alte ist […] ein vom Traum Verklärtes und Verwandeltes, auf das der Strahl der Utopie gefallen ist.

Wahrscheinlich hab ich’s ursprünglich hierher und es dann, falsch erinnernd, Benjamins „Über den Begriff der Geschichte“ zugeschrieben. Wie auch immer: ich schrecke nicht davor zurück, das als meine implizite Geschichtsphilosophie zu bezeichnen.
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Homophober Moslem, toleranter Westen? (II)

Zum Bloggen komm ich zwar nicht mehr so recht, aber dafür gibt es im April und Mai wieder eine ganze Palette von Diskussionsveranstaltungen zum Thema „Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“:

HANNOVER
Di, 14. April ’09, 18:00 Uhr
Institut für Soziologie
Im Moore 21, Raum A 310
Veranstalter: AStA Hannover

BERLIN (Prenzlauer Berg)
Sa, 18. April ’09, 12:00 Uhr
Haus der Demokratie
Greifswalder Str. 4
Veranstalter: Heinersdorf-Bündnis

BERLIN (Neukölln)
Mo, 20. April ’09, 20:00 Uhr
Tristeza Café & Bar
Pannierstr. 5
U-Bhf. Hermannplatz

NÜRNBERG
Mi, 22. April ’09, 20:00 Uhr
DESI Stadtteilzentrum e.V.
Brückenstr. 23
Veranstalter: Gruppe Krisis

HAMBURG
Di, 5. Mai ’09, 19:30 Uhr
Werkstatt 3
Nernstweg 32
S-Bhf. Altona

OLDENBURG
So, 17. Mai ’09, 17:00 Uhr
Infoladen „Roter Strumpf“
Alhambra
Hermannstr. 83

DRESDEN
Mi, 27. Mai ’09, 19:30 Uhr
Hörsaalzentrum (HSZ)
Bergstr. 64
Veranstalter: SchLaU Dresden

MÜLHEIM an der Ruhr
Fr, 5. Juni ’09, 20:00 Uhr
Autonomes Zentrum (AZ)
Auerstr. 51
Veranstalter: Genderterror.de

Homophober Moslem, toleranter Westen?

Europa und die Heteronormalisierung der islamischen WeltNächste Woche beginnt eine kleine Veranstaltungstour mit Vorträgen und Diskussionen zum Thema Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt — mit Stationen in folgenden Städten:

    Bielefeld:
    Di, 13. Jan., 19:00 Uhr
    Uni Bielefeld
    UHG (Universitätsstr. 25), Hs. 2
    Veranstalter: Schwulenreferat

    Köln:
    Mi, 14. Jan., 19:30 Uhr
    NaturfreundInnenhaus Köln-Kalk
    Kapellenstr. 9a
    Veranstalter: SOMOST Kalk

    Graz:
    Fr, 16. Jan., 19:30 Uhr
    ausLage_KIG!
    Feuerbachgasse 25
    Veranstalter: KIG! – Kultur in Graz

    Wien:
    Di, 20. Jan., 19:00 Uhr
    Café Willendorf in der Rosa Lila Villa
    Linke Wienzeile 102
    Veranstalter: Rosa Tipp

Gesellschaftkritischer Offenbarungseid

Rüdiger Lohlker, Professor für Orientalistik an der Universität Wien und in dieser Funktion gegenwärtig mit der Erforschung von Islamismus und dem Aufkommen dschihadistischen Denkens befasst, rezensiert in der aktuellen Ausgabe der „Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes“ (WZKM) den 2008 von den beiden Österreichern Thomas Schmidinger und Dunja Larise herausgegebenen Sammelband Zwischen Gottesstaat und Demokratie, ein Werk, bei dem es sich — zumindest dem im Untertitel formulierten Anspruch nach — um ein „Handbuch des politischen Islam“ handeln soll.

Warum es diesen Anspruch nicht erfüllt, erklärt Lohlker ausführlich, über viele Seiten hinweg, an zahllosen, dem Band entnommenen Einzelbeispielen, in denen sich teils eine krasse Unkenntnis des Gegenstands, teils eine für ein Handbuch völlig unangemessene Neigung zum Tendenziösen und Pamphlethaften offenbart. Mehr noch aber zeigt sich in dem Werk ein gerade für linke Autor_innen — und als solche sollen sich Schmidinger und Larise nach wie vor verstehen — verblüffender Mangel, die eigene, „aufgeklärte“ Gesellschaft (Österreich!) noch kritisch ins Visier zu nehmen.

Die Folge ist eine Totalverschiebung jeglicher denkbaren Kritik an Verhältnissen, die für den Alpenstaat ganz und gar konstitutiv sind, wie Homophobie, Antisemitismus und politischer Konservatismus, auf den religiösen Anderen in Gestalt muslimischer Klein- und Kleinstverbände, die trotz ihrer oftmals moderaten Position auf dem Abweg einer „Hermeneutik des Verdachts“ samt und sonders in eine ideologische Nähe zur ägyptischen Muslimbruderschaft gerückt werden. Lohlker: (mehr…)

Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt

Leipzig: Vortrag und Diskussion

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung „Homosexueller“ immer wieder in den Blickpunkt der Medien, und wenn sich hierzulande deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen, fragt man reflexhaft nach ihrem „kulturellen Hintergrund“. Dabei ist die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht.

Angesichts dieses Widerspruchs zeichnet der Referent die Konzepte mann-männlicher Liebe und Lust in christlichen und muslimischen Gesellschaften vergleichend nach. Er zeigt den historischen Anteil des Westens an der Formierung antihomosexueller Diskurse in der islamischen Welt und belegt, dass auch in Deutschland – trotz aller gegenwärtigen Liberalität – von einer Auflösung des heteronormativen Korsetts keine Rede sein kann.

Leipzig
Fr., 21. Nov. 2008, 19 Uhr
Hochschule für Grafik und Baukunst (HGB)
Wächterstr. 11, Raum 2.41
Veranstalter: Antira-Referat des StudentInnenRates der Universität Leipzig

Berlin
Do., 11. Dez. 2008, 16 Uhr
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 2
Veranstalter: Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) & Schwulenreferat