Archiv der Kategorie 'Sexism'

Ihr spielt gegen eine Mannschaft der Reaktion!

frickelfraktion hat einen Film über die deutsche Ekel-WM produziert. Weiterverbreiten!

Das hat Voltaire nicht verdient!

Es ist schon unfassbar: Da macht sich ein Reporterteam die Mühe, um die halbe Welt zu reisen, um die frommen Lügen der „heiligen Ayaan“ bloßzustellen, und die deutschsprachige Presse hat nichts anderes zu tun, als weiter an dem Mythos von der „schwarzen Jeanne d‘Arc“ zu stricken. Die Affäre wird, ganz im Einklang mit der niederländischen Rechten, auf den einzig für das Asylverfahren relevanten Namensbetrug reduziert. Dabei dürfte die Niederländer etwas ganz anderes in Wallung gebracht haben: Jahrelang wurden sie von Hirsi Ali mit der These vom in eine „offene Gesellschaft“ nicht assimilierbaren Islam beschallt. Niemand wagte es, dem „Opfer“, das so Furchtbares erleiden musste, zu widersprechen. Hirsi Ali fungierte als Schutzschild der rechtsliberalen VVD gegen Rassismusvorwürfe der Sozialdemokraten, die wegen ihrer vergleichsweise liberalen Einwanderungspolitik in die Opposition gewählt worden waren. Und nun? Es stellt sich heraus, dass die Leidensgeschichte der Ayaan Hirsi Ali, die sie als Legitimation für ihren ideologischen Kreuzzug gegen den Islam vor sich hertrug und zu einem wortreichen Roman mit dem gewagten Emile-Zola-Titel J‘accuse auskleidete, ein einziger Hoax ist! Das hindert Schmierenjournalisten wie Ralf Fischer jedoch nicht daran, ausgerechnet auf einer Website der Amadeu-Antonio-Stiftung gegen rechte Gewalt eine verlogene Eloge auf eine Politikerin zu singen, die mit ihrer antiislamischen Hetze das Land an den Rand eines nationalen Pogroms steuerte. So heißt es dort über „Misses Voltaire“:

Ayaan Hirsi Ali, 1969 in Somalia geboren, machte schon im Kindesalter ihre ersten Erfahrungen mit der Barbarei der islamischen Religion. Ein Koranlehrer brach ihr den Schädel, als er sie züchtigte, im Alter von fünf Jahren wurde sie ohne Wissen und gegen den Willen ihres Vaters auf Veranlassung ihrer Großmutter beschnitten und nach der Flucht ihrer Familie nach Kenia musste sie eine religiöse Mädchenschule besuchen. Hirsi Ali erhielt dort eine orthodoxe islamistische Erziehung und trug auch den Hidschab (Ganzkörperschleier). 1992, im Alter von 23 Jahren, sollte sie an einen Cousin aus Kanada verheiratet werden, den sie noch nie gesehen hatte.

Was an der Geschichte überhaupt stimmt, weiß kein Mensch. Doch alle Angaben, die man recherchierte, stellten sich bislang als falsch, zweifelhaft oder irreführend heraus. Ihr Elternhaus ist alles andere als fundamentalistisch; ihr Vater, der in Italien und den Vereinigten Staaten studierte, ein vehementer Gegner der „Frauenbeschneidung“; die Schule, die sie besuchte, eine Einrichtung der UNHCR; den Schleier, den sie trug, legte sie anlässlich des ersten Golfkriegs aus eigener fanatischer Gesinnung an; die Heirat mit ihrem Ex-Mann Othman Qawari stellte sich als Liebesheirat heraus; und mit dem „blutrünstigen“ Familienclan, vor dem sie sich angeblich versteckte, hat sie den Kontakt in Wirklichkeit nie abgebrochen. Die Frau ist ein Hoax!

Achja, und szenebekannte Vergewaltiger, die den Retter unterdrückter Musliminnen spielen, finde ich nun wirklich zum Kotzen.

Nachtrag

Achja, zur Illustration meiner letzten Story hier ein paar Cover von Heavy Metal bzw. Schwermetall. Ich glaube nicht, dass man Kunst oder Literaturwissenschaft studiert haben muss, um den sexistischen Gehalt dieser Bilder zu entschlüsseln. /:) (mehr…)

Zwischen Sexismus und Antisexismus

Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hab ich schon, dass ich auf meinen einstigen Lieblingszeichner Enki Bilal so eingedroschen habe. Vergleicht man den von mir geposteten Bild-Ausschnitt beispielsweise mit Szenen aus Frank Herberts „Dune“, so ist der homophobe Subtext doch kaum der Rede wert.

Auch den Vorwurf, Bilal sei in seiner objektivierenden Darstellung des Weiblichen ein wenig sexistisch, muss ich relativieren. Ich empfehle einmal zum Vergleich, die Bände des berühmten Heavy Metal Magazines zur Hand zu nehmen, in dem seit Mitte der 70er einige der besten Phantasy und Science Fiction Comics der Zeit — neben Moebius unter anderem auch Enki Bilal — erschienen sind. Das Magazin war im Vergleich zum gängigen Massenramsch von Spider Man bis Donald Duck natürlich verflucht teuer und konnte überhaupt nur dadurch bestehen, dass es immer wieder den letzten pornographischen Dreck ins Heft nahm. Ein Titelbild, auf dem keine prallen Möpse zu sehen waren, bedeutete sofortigen Umsatzeinbruch. Der durchschnittliche Leser war eben nicht bereit, so viel Geld für ein „bloßes“ Comic-Heft auszugeben, sehr wohl aber für die Inszenierung männlicher Sex- und Vergewaltigungsphantasien.

Enki Bilal gehörte zu denjenigen Zeichnern, die sich nie auf eine solche Ebene herabließen, die aber, wie viele andere, damals noch auf dieses abstoßende Publikationsumfeld angewiesen waren. Die Darstellung einer ausschließlich heterosexuell konnotierterten Erotik, in der Frauen nur als Objekte des männlichen Begehrens existierten, gehörte zwar auch für ihn zum Standardrepertoir; sie wurde aber an einigen Stellen, so z.B. in Die Frau aus der Zukunft, dem zweiten Band seiner großen Science-Fiction-Trilogie, durchaus von antisexistischen Aussagen unterbrochen. Wie z.B. in dieser Szene:

Enki Bilal, Die Frau aus der Zukunft

Das alles ändert jedoch wenig an der erzählerischen Schwäche von Bilals Comics, die auch durch die großartigen Zeichnungen nicht wettzumachen ist.

Kritik und Selbstkritik

Coole Buchzusammenfassung, die besserezeiten da in seinem Blog veröffentlicht hat. Auszüge:

Die Autorin argumentiert auf der Grundlage der von Edward Said entworfenen Kritik des Orientalismus als eines dominanten westlichen Diskurses, der den Orient als inferioren Gegenentwurf zum Abendland konstruiert und ihn mit ähnlichen Attributen belegt, die für eine patriarchalische Sichtweise auf Frauen gelten. An Said kritisiert sie allerdings dass er mit seiner Kritik der Aneignung des Orients durch den Westen im patriarchalischen Diskurs verhaftet bleibe indem er ihn als eine Ermächtigung des männlich konnotierten Westens beschreibt und den westlichen Frauen dabei keine bzw. eine passive Rolle zukommen lasse.
Dagegen stellt sie ihren Ansatz, dass der europäische Zugang zum Orient kein einheitlicher gewesen sei und sich parallel zum dominanten orientalistischen Diskurs eine alternative Sichtweise auf den Orient entwickelt habe die aus den Schriften von weiblichen Reisenden herauszulesen sei.
Diese Sichtweise zeichne sich dadurch aus, dass sich aus der Konfrontation europäischer Frauen mit orientalischen kulturellen Praktiken wie z.B. Polygamie und Segregation ein Vergleich mit den kulturellen Praktiken des patriarchalischen Abendlands entwickele, der eher zu Selbstkritik und weiblicher Solidarität führe als zu einer Wahrnehmung selbstgefälliger Überlegenheit.
Somit beschreibt sie das Reisen europäischer Frauen als möglichen emanzipatorischen Akt.

[…]

Eine spezifische Form der Reiseliteratur ist harem literature. Haremliteratur beschäftigt sich mit den privaten Lebensbedingungen muslimischer Frauen und wurde hauptsächlich von Reisenden geschrieben, auch wenn die Beschreibung der Reise nicht im Vordergrund stand. Melman bezeichnet Haremliteratur als „most serious challenge to Orientalist and patriarchal authority“ weil sie in der weiblichen Repräsentation des kulturell Anderen eine Sympathie oder solidarische Verbundenheit mit den Repräsentierten erkennen lasse. Von Frauen verfasste Haremliteratur zeige eine bemerkenswerte Widerständigkeit gegen die essentialistischen Zuschreibungen einer angeblich besonders libidinösen Orientalin.

Weibliche Reiseberichte und Haremliteratur entwickelten sich parallel zum Höhepunkt der diskursiven Konstruktion von bürgerlicher Öffentlichkeit und Privatsphäre und der Trennung von männlich und weiblich konnotierten Sphären des Lebens und Handelns im Westen. Zugleich war Haremliteratur damit ein subversives Potenzial eingeschrieben, indem es im Vergleich orientalischer und westlicher Lebensweisen die Kritik auf die westlichen Vorstellungen von Häuslichkeit und Weiblichkeit, mithin auf das westliche Patriarchat zurückfallen ließ.

[…]

An Lady Mary Wortley Montagu wurde kritisiert, dass sie sich ausschließlich der Betrachtung der Gebräuche der Oberschicht zuwandte. Andere Reisende betrachteten auch ökonomisch weniger privilegierte Schichten im arabischen Hinterland und stellten außerordentliche Freiheiten für Frauen fest, die sie ins Verhältnis zu den Freiheiten englischer Frauen sowohl der Ober- als auch der Unterschicht setzten. Seit den 1850ern lässt sich eine Tendenz des Interesses hin zu den Unterschichten der orientalischen Bevölkerung feststellen, die sich zeitgleich zum englischen Diskurs über die heimische Arbeiterklasse entwickelte. Dabei bemerkten die Reisenden eine inverse relationship von Klasse und sozialer Stellung der orientalischen Frau: je weniger eine Familie ökonomisch privilegiert war, desto höher war die soziale Stellung der Frau in der Familie und desto mehr Freiheiten genoss sie. Eine Lucie Duff-Gordon (S. 105) beschrieb 1869, dass Ehemänner aus der Unterklasse der fallahin ihren Frauen mehr Rechte einräumten als britische Ehemänner jeglicher Klasse. Andere Reisende zeigen sich von einem feministischen Standpunkt her positiv erstaunt über die Leichtigkeit mit der eine muslimische Ehe geschieden werden könne und die ökonomischen Absicherungen für Frauen die damit einher gingen im Vergleich zu den schweren ökonomischen und sozialen Folgen die eine Scheidung im viktorianischen England für die Frau haben konnte.

Billie Melman: Women’s Orients. English Women and the Middle East, 1718-1918. London 1992.