Tag-Archiv für 'austria'

Gesellschaftkritischer Offenbarungseid

Rüdiger Lohlker, Professor für Orientalistik an der Universität Wien und in dieser Funktion gegenwärtig mit der Erforschung von Islamismus und dem Aufkommen dschihadistischen Denkens befasst, rezensiert in der aktuellen Ausgabe der „Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes“ (WZKM) den 2008 von den beiden Österreichern Thomas Schmidinger und Dunja Larise herausgegebenen Sammelband Zwischen Gottesstaat und Demokratie, ein Werk, bei dem es sich — zumindest dem im Untertitel formulierten Anspruch nach — um ein „Handbuch des politischen Islam“ handeln soll.

Warum es diesen Anspruch nicht erfüllt, erklärt Lohlker ausführlich, über viele Seiten hinweg, an zahllosen, dem Band entnommenen Einzelbeispielen, in denen sich teils eine krasse Unkenntnis des Gegenstands, teils eine für ein Handbuch völlig unangemessene Neigung zum Tendenziösen und Pamphlethaften offenbart. Mehr noch aber zeigt sich in dem Werk ein gerade für linke Autor_innen — und als solche sollen sich Schmidinger und Larise nach wie vor verstehen — verblüffender Mangel, die eigene, „aufgeklärte“ Gesellschaft (Österreich!) noch kritisch ins Visier zu nehmen.

Die Folge ist eine Totalverschiebung jeglicher denkbaren Kritik an Verhältnissen, die für den Alpenstaat ganz und gar konstitutiv sind, wie Homophobie, Antisemitismus und politischer Konservatismus, auf den religiösen Anderen in Gestalt muslimischer Klein- und Kleinstverbände, die trotz ihrer oftmals moderaten Position auf dem Abweg einer „Hermeneutik des Verdachts“ samt und sonders in eine ideologische Nähe zur ägyptischen Muslimbruderschaft gerückt werden. Lohlker: (mehr…)

Solidarität mit Karl Pfeifer

Plant der Chefideologe des deutschnationalen Flügels der FPÖ, Andreas Mölzer, eine Neuauflage seiner Kampagne gegen den mittlerweile 80-jährigen Journalisten, Antifaschisten und Holocaust-Überlebenden Karl Pfeifer? Wird ihn die österreichische Justiz — in Missachtung eines Beschlusses des EGMR — abermals dabei unterstützen? BigBerta weiß mehr und fordert uns, über alle inhaltlichen Differenzen, zur Solidarität.

Böses Österreich

„… wie wenn der nächste Bundeskanzler ein Türke wäre.“ Warum der gemeine österreichische Rassist die Wahl Barack Obamas „äußerst beunruhigend“ findet. (via).

Katholische Nazi-Website spricht von „mongoloiden Abfallmenschen“

Die als katholisches Nachrichtenportal getarnte Nazi-Website kreuz.net spricht in einem ihrer jüngsten Artikel zur Abtreibungsdebatte von „lebensunwerte[n] mongoloide[n] Abfallmenschen“ und stellt sie der Geburt „rassenreine[r] Kinder“ und „Volksgenossen“ gegenüber. Die „Abschlachtung“ ersterer dürfe das Leben letzterer nicht gefährden, so die Quintessenz des anonymen Autors.

In Österreich scheint diese neuartige Synthese von Katholizismus und Nazi-Ideologie im Umkreis von FPÖ (17,5%) und BZÖ (10,7%) mittlerweile ausgesprochen populär zu sein. Dies zeigt nicht nur der Fall des katholischen Nazi-Fundamentalisten Ewald Stadler, der in seinem Land für eine positive Neubewertung der NS-Zeit wirbt. Komisch, dass sich die Antifa damit scheinbar noch nie befasst hat. (Oder gibt’s sowas da unten überhaupt nicht mehr?)