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Familie — Keimzelle der Gewalt

Nach der Lektüre des folgend zitierten (und schon etwas älteren) Dossiers hab ich mich tatsächlich gefragt, ob der kontinuierliche Rückgang der Mordzahlen in der BRD seit den frühen 90er Jahren etwas mit dem Anwachsen der Single-Haushalte zu tun haben könnte. Denn immerhin finden mehr als die Hälfte aller hierzulande registrierten Morde und Totschlagsdelikte im familiären Umfeld statt:

Die Familie ist nicht mehr heilig, sie offenbart sich vielmehr als ein Ort von Terror und Gewalt. Keine Woche, in der Zeitschriften und Fernsehen nicht über Quälerei, Mord und Totschlag im Eigenheim berichten. Väter in Lebenskrisen löschen Familien aus, verzweifelte Frauen nehmen ihre Babys mit in den Tod. Voyeuristisch schildern Boulevardblätter, wie ganze Sippen sich sexuell an ihren Kindern vergehen. Pflegebedürftige Alte, so ist zu lesen, werden von ihren ungeduldigen Erben gequält und vernachlässigt. Die Familie, allen im Kopf als ein Hort der Geborgenheit und Wärme, ist mit einem Mal als die gewalttätigste Institution der Gesellschaft demaskiert.

… schrieb 1995 DIE ZEIT, damals noch in ungewöhnlich radikaler Pose. Heute wird das Problem, wie könnte es anders sein, auf die „Ausländer“ respektive Moslems abgeschoben (Stichwort ‚Ehrenmorde'). Die feministische Thematisierung der bürgerlichen Kleinfamilie als Keimzelle der Gewalt ist in Zeiten von „Du bist Zuchtvieh„-Kampagnen offenbar nicht mehr besonders en vogue.

Freudomarxismus — ein gescheitertes Theorieprogramm

Mit der Engführung von Psychoanalyse und Marxscher Ökonomiekritik verhält es sich so ähnlich wie mit den feministischen Matriarchatstheorien: In den 70er Jahren sprach jeder davon, heute interessiert sich dafür keine Sau mehr. Das hat Gründe, die bei weitem nicht nur in der Mode liegen. Vielmehr sind beide Theorieanstrengungen in einer Weise kritisiert und entplausibilisiert worden, dass man sich mit ihnen heute fast schon lächerlich zu machen droht. Was bei den Matriarchatstheorien das fortschreitende ethnologische und prähistorische Wissen besorgte, hat sich beim Freudomarxismus gleich auf doppelte Weise erledigt: einerseits durch Michel Foucaults berühmte Kritik an der „Repressionhypothese“, mit welcher er Ende der 70er Jahre ein psychologie-skeptisches Forschungsprogramm vorlegte, dem heute fast alle verpflichtet sind, die sich noch kritisch mit dem Thema „Sexualität“ befassen; andererseits durch die gesellschaftliche Entwicklung selbst, die den Kinderglauben an die befreiend-subversive Macht des Sexes weitgehend ad absurdum führte. (mehr…)