Tag-Archiv für 'france'

Ein Araber entdeckt Paris (II): Prüfungen — wtf?

Puh, die sechste von sieben Prüfungen hinter mir! Und wegen Urlaub und Semesterferien wird die siebte leider erst in anderthalb Monaten stattfinden. Zeit, meine Reihe „Ein Araber entdeckt Paris“ fortzusetzen. Es geht — dies kurz zur Wiederholung — um Rifaʿa al-Tahtawi, der zwischen 1826 und 1831 im Auftrag seines Paschas eine Studienmission in der französischen Hauptstadt absolvierte mit dem Ziel, sein eigenes Land wirtschaftlich und technisch zu modernisieren. In seinem 1834 abgefassten Reisebericht schreibt er, neben anderen Dingen, über die wunderlichen Eigenarten der Franzosen, so z.B. ihren Rassismus und ihre Homophobie, die er sich allerdings meist recht naiv erklärt (den Rassismus etwa, indem er ihn als ästhetisches Missfallen an der schwarzen Hautfarbe deutet).

In der folgenden Passage geht es um das System der kontinuierlichen Prüfungen, denen er während seines Aufenthalts auch selbst unterworfen wird und die er seinen Lesern, welche damit offenbar nicht vertraut sind, erst umständlich erklären muss: (mehr…)

Regieren mit der harten Hand

Der zum Staatspräsident gewählte französische Faschist Nicolas Sarkozy verweigert erstmals die traditionelle Massenamnestie am 14. Juli, dem Jahrestag der Erstürmung der Bastille.

Victory for the fascist Sarkozy

Doug Ireland, French Election: What Sarkozy’s Victory Means

Who’s anti-Semitic?

Aus der EUMC-Studie „Manifestations of Antisemitism in the EU 2002 – 2003″ (Part on France):

On the whole the ‘Sofres’ director concluded that there is “no massive antisemitism among the youth of North African origin (…) It is thus essential not to stigmatize a community (…) which, in its great majority, rejects antisemitism”. Compared with the whole group of people between 15 and 24, the survey shows that the young people of North African origin are in fact even more intolerant of antisemitism than the average. This might be explained by the fact that antisemitic acts or attitudes remind them that they have themselves suffered from racial or cultural discrimination, as Muslims or as children of North African parents.

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Falsche Beschuldigungen

Bernhard Schmid berichtet im AIB über eine neue Mode ungerechtfertigter Pauschalanschuldigungen gegenüber arabischen Franzosen:

Eine eindeutig schädliche Einwirkung übten allerdings jüngere Ereignisse aus, bei denen öffentlich angeprangerte antisemitische Aggressionen sich als vorgetäuscht erwiesen und schon früh eine Denunziation angeblicher »arabischer/migrantischer Tätergruppen« erfolgte. Das bekannteste Ereignis in dieser Hinsicht bildet die angeblich antisemitisch motivierte Attacke, die die 24jährige (Nichtjüdin) Marie L. im Juli 2004 im Pariser Vorortzug RER erlitten haben wollte. (mehr…)

„Black is Beautiful“ — Ein Araber entdeckt Paris (I)

Zwischen 1826 und 1831 erfüllte Scheich Rifa‘a al-Tahtawi von der al-Azhar-Universität in Kairo auf Geheiß von Muhammad Ali Pascha, dem Vizekönig von Ägypten, eine Studienmission, die ihn zusammen mit anderen Gelehrten nach Frankreich führte. Ihr Ziel war, von den Europäern zu lernen, um an ihre ökonomischen und wissenschaftlich-technischen Erfolge anknüpfen zu können. 1834 veröffentlichte al-Tahtawi ein Reisetagebuch, das er, in dem für die arabische Literatur kennzeichnenden poetischen Stil, Die Läuterung des Goldes in einer zusammenfassenden Darstellung von Paris nannte. Der Pascha hielt es für so bedeutsam, dass er es seiner Beamtenschaft zur Pflichtlektüre machte. Jedoch gab es, trotz seiner ausgeprägten Frankophilie, einige Dinge, die al-Tahtawi an den Franzosen befremdete und die er folglich nicht zur Nachahmung empfehlen konnte — wie zum Beispiel ihr absonderlicher Rassismus gegen Schwarze: (mehr…)

Der Krieg des deutschen Spießbürgers

Seit in Deutschland mit dem Angriff auf den Islam enorm gepunktet werden kann, kommt kein Hetzbrief der Bahamas-Linke ohne eine Attacke gegen den Islam aus. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Damit lässt sich heutzutage im rassistischen Konsens ordentlich Stimmung machen, ohne als hundsgewöhnlicher Rassist gescholten zu werden. Mehr noch: bei dieser Pogromstimmung kann sich diese Linke wieder als Avantgarde fühlen, ein Gefühl, auf das sie jahrzehntelang verzichten musste. Deshalb dient ihre „Aufklärung“ der denunziatorischen Agitation, ihre „Theorie“ der hetzerischen Propaganda, ihre „Vorschläge“ dem rassistischen Angriff.

(Weiterlesen bei Fluchschrift)

Riot boyz

Man muss die Motive der Jugendlichen, die in Frankreich auf die Straße gingen, nicht politisch deuten. Zwei, die es anders machten und damit vielleicht die plausibelste Erklärung von allen lieferten, sind Alan Posener und Michel Wieviorka.

Ersterer schreibt in seinem Weblog:

Der Herbst ist die Zeit des Feuers. Sonnenwendfeuer, Martinsfeuer, Guy Fawkes Night in Großbritannien usw.; wer noch nie in einer kühlen Nacht um ein brennendes Feuer getanzt hat, der hat nicht gelebt. Und wenn dieses Feuer dazu noch illegal ist, weil es das brennende Auto des Falafel-Buden-Besitzers von nebenan ist, oder des Lehrers; wenn der Tanz ein Katz-und-Maus-Tanz mit der Polizei ist; wenn man in einer von Flammen erleuchteten Nacht keuchend durch die Straßen seines Viertels rennen, den kühlen Wind in den Haaren und den Stein in der Hand spüren, für Augenblicke angesichts der wie Darth Vader eingekleideten Kräfte des Imperiums den beinahe sexuellen Kick der Todesangst und des Heldenmuts spüren kann — nun, so müßte man kein junger Mann, sondern eine Memme sein, wollte man dort nicht mitmachen, und ein vertrockneter alter Esel, begriffe man dieses Hochgefühl nicht.

Letzterer hebt diese Erklärung in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau auf ein eher wissenschaftliches Niveau:

Was bedeutet es, wenn Jugendliche die Autos abfackeln?

Ihre Gewalt ist mit Subjektivität geradezu aufgeladen, weil das ihre Sprache, ihr Ausdrucksmittel ist. Sie sagen uns: „Ich will existieren! Aber ich kann nur existieren in der Zerstörung, im Feuer, in den Medien.“ Warum sind sie in dieser völlig entleerten Subjektivität? Weil sie sich in einer Krise befinden, gegen die von staatlicher Seite nichts unternommen wird.

Kann man, was Sie Subjektivität nennen, mit Identität übersetzen? Anders gefragt: Schaffen sich die Jugendlichen eine Identität durch Gewalt?

Nein, das tun sie gerade nicht, weil es ein Diskurs ohne Inhalt ist. Es ist leerer Ausdruckswille, eben weil es keine Worte gibt, keine Führer, keine Organisation, keine Ideologie, nichts davon ist vorhanden, nur blinde Gewalt.

In Frankreich ist man Gewalt gewöhnt. Wenn Bauern Barrikaden anzünden, dann ist das Teil der politischen Ikonographie, die bis auf die Revolution zurückgeht. Haben die Jugendlichen womöglich das als einzige der republikanischen Lektionen gelernt, dass man mit Gewalt etwas erreicht?

Nein. Schließlich haben sie das nicht in der Schule, sondern von den Medien gelernt. Die Medien kommen, wenn sie Autos verbrennen. Und je mehr man verbrennt, desto mehr kommen. Und wenn wirklich viele brennen, kommen sogar die internationalen Medien. Der Gipfel des Ruhmes ist CNN. Als ich in Straßburg Jugendliche befragte, erzählten sie mir stolz, dass ein landesweiter Privatsender gekommen sei. Die Jungs von nebenan hatten es nur ins Regionalfernsehen geschafft. Darum geht es ihnen.

Sicher, beide sind stockreaktionäre Staatsfetischisten; aber sie sind zumindest dem kultur-rassistischen Deutungswahn nicht erlegen, der viele andere Journalisten und Autoren zurzeit umtreibt.