Tag-Archiv für 'germans'

Solidarität mit Serkan und Spyros (II)

Café Morgenland über den HJ-Onkel Bruno N., der von zwei Migranten, die er nazistisch bepöbelte, eins auf die Fresse bekam:

„Zu dem Angriff sei es gekommen, nachdem L. vom späteren Opfer Bruno N. aufgefordert wurde, seine Zigarette auszumachen. Daraufhin beschimpfte L. den Rentner laut Anklage als „scheiß Deutscher“. Beim anschließenden Halt der U-Bahn seien alle drei gleichzeitig ausgestiegen. A. ließ über seinen Anwalt erklären, der Rentner habe ihn mit den Worten: „Ihr seid das Volk, das hier Stress macht und rausgehört“ beschimpft. Daraufhin sei er spontan hinter dem Mann hinterher gerannt, habe ihn mit dem Ellenbogen umgestoßen und getreten.“ (Aus Serkans Geständnis im Prozess, AFP 23.6.08)

„Und N. habe auch ein Problem mit Ausländern gehabt, erinnert sich Horn, der ehemalige Schüler der Klasse 10 D: ‚In der 10. Klasse kam er im Sommer einmal ins Klassenzimmer, es ging um Hitzefrei. Beim Rausgehen hat er kurz in die Hände geklatscht und gemeint: ‘Das ist aber eine schlechte Akustik hier. Wir müssen ein paar Neger in die Ecke stellen!‘ Sie hätten einen farbigen Mitschüler in der Klasse gehabt, erinnert sich Horn“.

(Lesenswertes über die Regungen des deutschen Volkszorns und das rassistische Racheurteil der Erben Freislers schreibt auch der Blogger Bikepunk.)

Volksgemeinschaft zurück ins Klo

Von vor zwei Jahren und immer noch aktuell:

Das Land der Kellerkinder

David Jones erklärt am Fall Fritzl, für zivilisierte Nationen unbegreiflich (hell, I‘m being ironic!), die postnazistische Alltagskultur der Österreicher:

When, in August 2006, the pale, haunted-looking Natascha Kampusch fled her evil captor, after eight years in an underground lair in a Viennese suburb, few questioned the assertion of Austrian officialdom: that this was an iniquity which might have occurred anywhere.

The following February, however, when it was discovered that another three children had been locked in a rat-infested hideaway for seven years in Austria’s third city, Linz — this time by their deranged mother, who also managed to conceal their disappearance with breathtaking ease — the doubts began.

And yesterday, following the latest and in many ways most chilling of all Austria’s recent domestic horror stories, there began a cacophonous demand for answers.

[…] „Three cases in one small country are just too incredible. Everyone is asking: ‚Why Austria?‘“ (mehr…)

Denunziantenstadl

Tja, böse Menschen haben keine Lieder.

Die Erben Eichmanns

riotpropaganda über den „Führer der neuen Reichsbahn“ Hartmut Mehdorn, dem es im Nachhinein leid tut, dass sein Unternehmen am 25. März 1944 11.000 Kinder kostenlos in den Tod beförderte. Doch das deutsche Gewissen ruht nicht, weshalb der Mann 65 Jahre später Nachlösegebühren in Höhe von mehreren zehntausend Euro vom „Zug der Erinnerung“ fordert. Da ist die Empörung über die Empörung natürlich groß!

The (Anti-)German sickness — a view from the outside

CrimethInc, an anarchist zine from the U.S., on the formerly „anti-German“ islamophobic left:

It would be nice to stop at the conclusion that the Anti-Germans have simply been provoked by their enemies into thoughtlessly adopting contradictory positions, but the fact that they have crossed into nationalism and borderline racism suggests something more insidious: that in setting out to resist fascism, they have been infected by it, perhaps as a result of the same German predispositions they aim to oppose. In studying their example, we can recognize the importance of developing a nuanced critique of power relations, but we are also reminded of Nietzsche’s dictum that those who do battle with monsters must take care lest they become monsters themselves. (via)

Edit: For further discussion see negative potential…!

Warum Revolution und Deutschland nicht zusammengeht

„Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas. Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“

Das mysteriöse Verhältnis der Deutschen zu ihren Bahnhöfen ist nicht nur Lenin aufgefallen. Es ist auch Žižek eine kleine, symptomatische Untersuchung wert:

Warum hat Hamburg drei verschiedene Fernbahnhöfe, die alle an derselben Strecke liegen (Hauptbahnhof, Dammtor und Altona)? Der Unterschied zwischen den beiden ersten, die scheinbar „irrationale“ Tatsache, daß unweit des Hauptbahnhofs ein weiterer Bahnhof (Dammtor) liegt, läßt sich leicht erklären. Die herrschende Schicht wünschte einen Bahnhof, an dem sie den Zug unbehelligt vom „Pöbel“ besteigen konnte. Rätselhafter ist der dritte Bahnhof Altona. Der Ursprung des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Während er gewissen Quellen zufolge auf die Tatsache verweist, daß manchen diese dänische Siedlung als „all to nah“ (all zu nah) an Hamburg gelegen erschien, ist die wahrscheinlichere Erklärung „all ten au“, „am Bach“. Fakt bleibt jedoch, daß sich die Hamburger Bürger ab dem frühen 16. Jahrhundert ständig über diese kleine, ursprünglich dänische Siedlung nordwestlich des Stadtzentrums beklagten. Hinsichtlich der „All zu nah“-Theorie darf man also das alte italienische Sprichwort wiederholen: se non e vero, e ben‘ trovato. Selbst wenn es auf der Ebene der Fakten nicht stimmt, ist es gut erfunden. Auf diese Weise funktioniert nach Freud ein Symptom: als hysterische Anklage, die auf faktischer Ebene nicht zutrifft, aber dennoch „gut erfunden“ ist, weil darin das Unbewußte zur Sprache kommt. Und dementsprechend besteht die symbolische Funktion des dritten Bahnhofs (Altona) darin, die Eindringlinge, die all zu nahe sind, in einem angemessenen Abstand zu halten, um so den fundamentalen gesellschaftlichen Antagonismus (Klassenkampf) auf den künstlichen Antagonismus zwischen „uns“ (unserer Nation, in der alle Klassen im selben Gesellschaftskörper vereint sind) und „ihnen“ (den fremden Eindringlingen) zu verschieben und so zu mystifizieren.

[…] Dies impliziert natürlich keineswegs, daß die Art und Weise, wie wir uns auf „sie“ beziehen, sekundär wäre und daß wir einfach das Augenmerk zurück auf jenen Antagonismus richten werden, der „unsere“ Gesellschaft von innen spaltet. Die Art und Weise, wie wir uns auf „sie“, auf das dritte Element, beziehen, ist der entscheidende Indikator dafür, wo wir tatsächlich im Hinblick auf diesen inhärenten Antagonismus stehen.

Slavoj Žižek, Die Revolution steht bevor. Dreizehn Versuche über Lenin (Suhrkamp: Ffm., 2002), 65-67.

Die zwanghafte Bemühung der Psychoanalyse darf man gerne überlesen.

Neoliberalismus als „deutsche Ideologie“

Deshalb, aus diesem Grunde wollte ich die Organisation dessen untersuchen, was man das deutsche Modell und seine Verbreitung nennen könnte, wobei es natürlich klar ist, daß dieses deutsche Modell, wie ich es zu beschreiben versucht habe und wovon ich Ihnen nun einige Verbreitungsformen zeigen möchte, nicht das so oft herabgewürdigte, verbannte, öffentlich bloßgestellte und beschimpfte Modell des Bismarckschen Staates ist, der sich zum Hitler-Staat entwickelt. Das deutsche Modell, das sich ausbreitet und das in Frage steht, das deutsche Modell, das zu unserer Gegenwart gehört, das ihr unter seinem wirklichen Zuschnitt eine Struktur und ein Profil gibt, dieses deutsche Modell ist die Möglichkeit einer neoliberalen Gouvernementalität.

Michel Foucault, Vorlesung am 7. März 1979, in: Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernementalität II (Suhrkamp : Ffm., 2006), 269.