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Talleyrand an Khamenei

„Sire, Sie können mit einem Bajonett alles machen, aber Sie können nicht darauf sitzen.“ – Gefunden in den lesenswerten Fragmenten der Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft über „die Tage, die Teheran erschüttern“.

Leeres Schlagwort Universalismus

Im Gegenteil fiele gerade einer aufgeklärten Linken eigentlich die Aufgabe zu, den Konservativen in dieser Hinsicht den Kampf anzusagen. Wo diese den angeblich drohenden Untergang des Abendlandes als Motiv ihrer Islamkritik aufbieten, müsste jene Kosmopolitismus und Universalismus gegen den politischen Islam in Anschlag bringen.

… schreibt Alex Feuerherdt in der aktuellen Jungle World. Natürlich kommt der Autor nicht auf die Idee, dass auch der politische Islam universalistisch und kosmopolitisch ist, wenn er von sich behauptet, ahistorische, für alle gültige Ideen zu formulieren.

Universalismus ist eine leere Form, und man kann darunter genauso gut den Islam, die Menschenrechte, den Kapitalismus oder das heteronormative Regime des Westens fassen. Letztlich ist es eine Frage der Macht, wer seine Vorstellungen als universell zu rahmen vermag und dadurch alles andere zu Erscheinungsweisen eines überholten „kulturellen Partikularismus“ herabdrückt — wie etwa die Taliban, als sie die Buddha-Statuen von Bamiyan in die Luft sprengten.

Wenn Feuerherdt von Universalismus spricht, dann geht es darum, für andere Menschen zu entscheiden, was gut für sie ist. Es ist das genaue Gegenteil von Kritik, die als bestimmte Negation ja gerade einen spezifischen Geltungsanspruch unterhöhlen will. Universalismus dagegen ist Fundamentalismus by another name — der Glaube an eine historisch unzerrüttbares Wahrheitsfundament, dem qua Gewalt (wieder) allgemeine Anerkennung verschafft werden müsse.

Anders als sich Alex Feuerherdt einbildet, hat er kein Monopol auf die Zurückweisung „kultureller Partikularismen“. Denn die praktiziert auch Osama bin Laden, indem er die USA zur religiösen Konversion aufruft. Wenn die Linke sich vom politischen Islam absetzen will, dann wird ihr das mit leeren Schlagwörtern wie „Universalismus“ und „Kosmopolitismus“ kaum gelingen. Globale Geltungsansprüche für seine Ideen einer guten Herrschaft kann schließlich jeder reklamieren — der Schariʿa-Fan bin Laden genauso wie der Bush-Fan Alex Feuerherdt.

Kritik an Herrschaft indessen ist nicht universalistisch, d.h. auf Ontologisierung und Verewigung gerichtet, sie ist destruktiv. Aber das werden „aufgeklärte Linke“ — die wohl irgendwo bei Locke und Montesquieu hängen geblieben sind — sicher nie kapieren.