Tag-Archiv für 'marxism'

Slavoj Žižek: What does it mean to be a revolutionary today?

A lecture held at the Marxism festival in London, 2009:

(via Subtext)

Wider den antirevolutionären Verbalradikalismus – ein Blogsport-Battle mit Wendy

Wer weiß, was Wendy, unserer sagenhaften Bahamas-GSP-Schimäre, jetzt schon wieder über die Leber gelaufen ist. Erst beschimpft er den linken iranischen Schriftsteller Ali Schirasi auf meta.blogsport als „alten Hetzer“1 (obwohl der alles andere als ein Kumpan von Kriegstreibern und Rassisten ist, wie z.B. der von der Jungle World hofierte „Sprecher“ der imaginären Grünen-Partei des Iran, Kazem Moussavi). Und nun lässt er sich nicht lumpen, noch die revoltierenden persischen Massen, die im Kampf gegen das Mullah-Regime ihr Leben aufs Spiel setzen, als „Aufstandsbewegung von enttäuschten Islamisten“ zu denunzieren. Dafür reicht ihm allein die folgende Feststellung:

Die [iranische] Opposition, die dem deutschen Linken so schöne Wichsvorlagen liefert, begehrt nicht gegen Wahlen und Herrschaft, sondern gegen das schlechte Abschneiden ihres Kandidaten auf.

Dass noch fast jede Revolution mit Forderungen begann, die das System scheinbar nicht in Frage stellten, sondern sich in den approbierten herrschaftlichen Bahnen bewegten, ist Wendy offenbar ein Fremdwort. Dabei liefert Russland dafür das beste Beispiel: der sozialistischen Oktoberrevolution ging mit einiger Notwendigkeit die demokratische Februarrevolution voraus, die wiederum auf der russischen Revolution von 1905 aufsattelte, in welcher tatsächlich so „radikale“ Dinge wie eine konstitutionelle Monarchie gefordert wurden! Slavoj Žižek erklärt, was Wendy offenbar nicht verstehen kann oder will: (mehr…)

Recession or World-System Crisis?

Immanuel Wallerstein: „In 30 Jahren wird es keinen Kapitalismus mehr geben.“ Plus his commentary from October: „The Depression: A Long-Term View“.

Psychologie des Amoklaufs – Amoklauf der Psychologie

Winnenden: Dichtung und Wahrheit

Slavoj Žižek: Use Your Illusions

Gegen linke Desillusionierer vom Schlage Judith Butlers, die anlässlich Obamas historischen Wahlsiegs vor falschen Hoffnungen und einem „kritiklosen Überschwang“ der Gefühle warnte, da diese vermutlich schon bald enttäuscht würden, erinnerte Slavoj Žižek in einem Online-Artikel vom 14. November in der London Review of Books an die geschichtliche Macht von Illusionen und die Naivität des politischen Realismus. Hier einige Auszüge:

Noam Chomsky called for people to vote for Obama ‘without illusions’. I fully share Chomsky’s doubts about the real consequences of Obama’s victory: from a pragmatic perspective, it is quite possible that Obama will make only some minor improvements, turning out to be ‘Bush with a human face’. He will pursue the same basic policies in a more attractive way and thus effectively strengthen the US hegemony, damaged by the catastrophe of the Bush years.

There is nonetheless something deeply wrong with this reaction – a key dimension is missing from it. Obama’s victory is not just another shift in the eternal parliamentary struggle for a majority, with all the pragmatic calculations and manipulations that involves. It is a sign of something more. This is why an American friend of mine, a hardened leftist with no illusions, cried when the news came of Obama’s victory. Whatever our doubts, for that moment each of us was free and participating in the universal freedom of humanity. […]

Obama’s victory is a sign of history in the triple Kantian sense of signum rememorativum, demonstrativum, prognosticum. A sign in which the memory of the long past of slavery and the struggle for its abolition reverberates; an event which now demonstrates a change; a hope for future achievements. The scepticism displayed behind closed doors even by many worried progressives – what if, in the privacy of the voting booth, the publicly disavowed racism will re-emerge? – was proved wrong. One of the interesting things about Henry Kissinger, the ultimate cynical Realpolitiker, is how utterly wrong most of his predictions were. When news reached the West of the 1991 anti-Gorbachev military coup, for example, Kissinger immediately accepted the new regime as a fact. It collapsed ignominiously three days later. The paradigmatic cynic tells you confidentially: ‘But don’t you see that it is all really about money/power/sex, that professions of principle or value are just empty phrases which count for nothing?’ What the cynics don’t see is their own naivety, the naivety of their cynical wisdom which ignores the power of illusions. (mehr…)

Zur Lehre vom Ressentiment

Ein feiner Trick: das System zu kritisieren soll denen vorbehalten bleiben, die an ihm interessiert sind. Die anderen, die Gelegenheit haben, es von unten kennenzulernen, werden entwaffnet durch die verächtliche Bemerkung, daß sie verärgert, rachsüchtig, neidisch sind. Sie haben „Ressentiment“.
Demgegenüber sollte niemals vergessen werden, daß man ein Zuchthaus in keinem Fall und unter gar keinen Umständen kennenlernen kann, wenn man nicht wirklich und ohne Verkleidung als Verbrecher fünf Jahre dort eingesperrt war mit der Gewißheit, daß die goldene Freiheit, nach der man sich in diesen fünf Jahren sehnt, in einem nachträglichen Hungerleben besteht.
Es wirkt wie ein stillschweigendes Abkommen der Glücklichen, daß man über diese Gesellschaft, die weitgehend ein Zuchthaus ist, nur diejenigen als Zeugen gelten lassen will, die es nicht verspüren.

Kain und Abel

Die Geschichte von Kain und Abel ist die mythologisierte Erinnerung an eine Revolution, an eine Befreiungsaktion der Sklaven gegen ihre Herren. Die Ideologen deuteten den Aufstand sogleich als Produkt eines Ressentiments: „— und es verdroß den Kain sehr, und es sank sein Antlitz.“
Sollte die biblische Erzählung aber wörtlich zu nehmen sein, so hätte Kain jenen Begriff erfinden können, als das Blut Abels zum Himmel schrie: „Höre nicht auf dieses Schreien; es schreit aus Ressentiment.“

Aus: Max Horkheimer, Dämmerung.

Schadenfreudige ISF?

Ich zitiere ja ungern Antideutsche, aber in diesem Fall kann ich’s mir nicht verkneifen:

Denn mit inniger Genugtuung liest man Schlagzeilen wie: »Finanzmanager in Kalifornien tötet sich und seine Familie« (FAZ, 8. Oktober 2008). Dass der kommende Untergang des Kapitals im Nervenzusammenbruch, als suizidaler Amoklauf einiger (viel zu weniger) seiner Funktionäre sich antizipiert, das ist gar nicht so übel – schade nur, dass die Charaktermasken des Kapitals in ihrer Mehrheit so empfindsam nicht sind, als dass man auf die Schirrmachers, Ackermanns, Merkels hoffen dürfte.

Ob jetzt wieder einer „struktureller Antisemitismus“ schreit?

Sein Beileid jedenfalls sollte man sich, wenn man Kommunist ist, eher für diese Leute reservieren:

»Bei der Verteilung von Almosen an Arme sind in Indonesien (…) 22 Menschen zu Tode gekommen. Dutzende wurden im Gedränge um die Nahrungsmittelpakete verletzt. (…) Mehrere tausend Menschen drängten sich vor dem Haus eines reichen Geschäftsmannes in Pasuran in Ostjava, als dieser Päckchen an Bedürftige verteilen ließ … Die Menschen in der ersten Reihe wurden gegen die Gitter gedrängt, wo sie erdrückt wurden. Die Päckchen hatten einen Wert von umgerechnet je 2,25 Euro.«

Die Zukunft des Kapitalismus

Michael Heinrich erklärt die aktuelle Finanzmarktkrise.