Tag-Archiv für 'sexism'

Hinweis in eigener Sache

Seit Montag veranstaltet das Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung das Gender-Festival Love Me Gender – Gender is Happening mit rund 70 Workshops, Diskussionen, Vorträgen, Ausstellungen, Kunstexperimenten und Lesungen. Am Samstag (11. Juli) um 17 Uhr werde ich mit Volker Beck, Klaus Lederer, Maria do Mar Castro Varela und Ammo Recla im Politischen Salon über das Thema „Homophob sind nur die ‚anderen‘?“ diskutieren. Ort: HBS, Schumannstr. 8, 10117 Berlin. Anmeldung erforderlich!

Kulturkampffeminismus und Gender-Backlash

Ein Topos, der in den Antimigrationsdebatten der letzten Jahre massiv ausgebeutet wurde, war das Thema Geschlechterverhältnisse. Ein Sammelband mit dem Titel Mann wird man, der noch für diesen Monat angekündigt ist, verspricht geistiges Rüstzeug gegen die rechtspopulistische Mobilisierung im Namen des Feminismus:

Junge muslimische Männer sind die neuen Sündenböcke in den westlichen Gesellschaften — sie werden dämonisiert und sensationalisiert. Das seit dem „11. September“ gesteigerte Interesse an muslimisch-migrantischen Geschlechterbeziehungen gilt vornehmlich dem Stereotyp des „aggressiven und patriarchalen Migranten“. Die Frage nach der konkreten Bedeutung von Migration und Religion für die Transformation und (Re-)Konstruktion männlicher Identitäten wird nicht gestellt. Dieser Band schließt die Lücke in der deutschsprachigen Forschung und bringt interdisziplinäre Forschungsergebnisse zu den Schnittstellen von „Migration und Männlichkeit“ sowie „Maskulinität und Islam“ zusammen.

Derweil beschäftigt sich teilnehmende beobachtungen, der erfreulicherweise das Bloggen wieder aufgenommen hat, mit dem antimuslimischen Stehpinkler Henryk M. Broder.

Orientalism and Sexual Rights

It is in the realm of the emergent agenda of sexual rights that made its appearance in the United States and other Western countries in the late 1960s and began to be internationalized in the 1980s and 1990s that talk of sexual practices in the rest of the world, including the Arab world, would be introduced to the international human rights agenda and would be coupled with notions of „civilized“ and „uncivilized“ behavior. […] In the course of such „international“ human rights activism, two prime victims of human rights violations in Arab countries emerged and/or were created: women and „homosexuals.“ While the premodern West attacked the world of Islam’s alleged sexual licentiousness, the modern West attacks its alleged repression of sexual freedoms. The horror of „honor“ crimes taking the life of a quarter of all women murdered in Jordan, for example, would take a life of its own with special reports on American television networks and popular books by alleged native informants. Yet no special television program on U.S. networks investigated the fact that at least one-third of all women murdered in the United States are murdered by their boyfriends or husbands. Nor were these comparisons made when exhibiting real and imaginary Arab „honor“ crimes for television viewers.

From: Joseph A. Massad, Desiring Arabs (Chicago : University of Chicago Press, 2007), 37.

Nachgehakt

Spreeblick schreibt:

Ich gehöre auch nicht zu dieser kleinen Gruppe von Leuten, die eine blondierte Frau mit Silikonbrüsten im selben Maß für ein Opfer des Patriarchiats halten wie eine Frau, die in einer Burka eingesperrt ist.

Und warum nicht? — Wo der objektive Maßstab fehlt, geht man eben zum Dafürhalten über.

Ein kleiner Verweis …

… damit die Kurzanmerkungen „zum linken und imperialen Universalismus“ von Miss Taken Identity nicht ganz an euch vorbei gehen.

Vergewaltigung als Missverständnis?

Seit einigen Jahren wird in der autonomen Linken wieder verstärkt über Vergewaltigung und Sexismus diskutiert. Reader werden gedruckt, Blogs zum Thema angelegt, und auch die Schlammschlachten der Ekel-Atzen fangen wieder an. Ich möchte mich an dieser Debatte nicht beteiligen, da ich Ähnliches bereits Ende der 90er Jahre miterleben durfte und nicht die geringste Lust verspüre, diese Erfahrung zehn Jahre später zu wiederholen. Trotzdem habe ich mir gedacht, dass es sinnvoll sein könnte, ein paar Texte aus der damaligen Zeit wieder verfügbar zu machen, um bestimmte Einsichten nicht einfach verloren gehen zu lassen. Anfangen möchte ich mit einem bislang unveröffentlichen Auszug aus einer linguistischen Hausarbeit, in der das damals immer wieder auftauchende Konstrukt einer Vergewaltigung aus „missverständlicher Kommunikation“ einmal gründlich demontiert wird. Zugleich zeigt es an einem konkreten Beispiel, wie Vergewaltigungstribunale dazu benutzt werden können, aus der Klägerin die Angeklagte zu machen und ihr die moralische Verantwortung für die Tat zu unterschieben. Ich hoffe, einige können mit diesem (eher akademischen) Text was anfangen.

Umfrage belegt rassistische Projektion

Die Drecksmär von den „Frauen schlagenden Muslimen“ lässt sich durch Empirie offenbar nicht widerlegen. Kein Wunder, es handelt sich ja auch um ein rassistisches Phantasma, das die islamische Welt als Hindernis auf dem Weg zur vollen Verwirklichung der „westlichen Werte“ halluziniert:

Umfragen in vier arabischen Staaten, die im Rahmen des diesjährigen Berichts durchgeführt wurden, zeigen, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für eine größere Teilhabe der Frau am öffentlichen Leben durchaus vorhanden ist. In Marokko, Ägypten, Jordanien und Libanon wurden jeweils 1000 Männer und Frauen befragt und 98% von ihnen waren der Meinung, dass Mädchen und Frauen bis zur Hochschule die gleiche Bildung genießen sollten wie der männliche Teil der Bevölkerung. […] 97% der Befragten verurteilten zudem das Schlagen der Ehefrau. […] Zudem erklärten 91% der Umfrageteilnehmer, Frauen hätten das gleiche Recht auf Arbeit wie die arabischen Männer.

Dass es in Wahrheit die Deutschen sind, die ihre Frauen schlagen und vergewaltigen (hallo Herr Fischer!), dies dann aber den Muslimen als besonderes Merkmal unterschieben, um sie ausgrenzen, zurechtweisen und sanktionieren zu dürfen, ist natürlich klar. So funktioniert eben Rassismus.

Sexisten aufs Maul

Lesen Sie doch mal, was der Kollektivblog eines ehemaligen Antifaschisten und szenebekannten Vergewaltigers über die Feministische FrauenLesben Liste an der FU Berlin schreibt! Dann wissen Sie auch gleich, wie Sie bei den diesjährigen StuPa-Wahlen abzustimmen haben.