Tag-Archiv für 'sharia'

Presserat lobt BILD-Zeitung

Presserat lobt BILD-Zeitung für ihre „vorurteilsfreie Berichterstattung“ über die iranische Justiz.

Die bürgerliche Shari‘a im Zeitalter der Aufklärung

Ein immer wieder beliebter Topos unter „islamkritischen Linken“ (Horst Pankow, Jungle World) ist die Gegenüberstellung von bürgerlichem Rechtsstaat und Shari‘a. Ich hab das hier schon einmal an einem Beitrag des Morgenthau-Blogs kritisiert. Wie die Leute auf so einen Unsinn kommen, weiß ich nicht genau, aber es scheint etwas mit ihrer bestürzenden Unkenntnis der europäischen Rechtsgeschichte zu tun zu haben. Diese Ignoranz nimmt zuweilen so unfassbare Ausmaße an, dass etwa der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban in der taz unwidersprochen behaupten kann: „in Europa wurde Homosexualität nie mit dem Tode bestraft“. Um diese Lücke etwas zu füllen, habe ich mich dazu entschlossen, hier ein paar Artikelauszüge über die Sodomiterverfolgung im Zeitalter der bürgerlichen Aufklärung zu posten. Beginnen möchte ich mit einem Beitrag von Theo van der Meer, der jene am Beispiel einer der wichtigsten Finanz- und Handelsmetropolen der damaligen Zeit, der Stadt Amsterdam, untersucht hat: (mehr…)

Rechtsstaat und Shari‘a — wo ist der Widerspruch?

Noch ein Nachtrag zu meinem letzten Post, in dem ich eine Story des Morgenthau-Blogs über die Königsfamilie von Katar zitiert habe. Wie vielleicht einigen bereits aufgefallen ist, habe ich dabei den letzten Absatz weggelassen, weil ich ihn für sachlich falsch halte. Es handelt sich um einen Fehler, den ich im Folgenden ausführlich sezieren werde, weil ich denke, dass er auf der Konstruktion einer wesenhaften Differenz zwischen Shari‘a und bürgerlichem Rechtsstaat beruht und diesem ein Lob ausstellt, das er so gar nicht verdient hat. Denn selbstverständlich ist die Shari‘a eine rechtsstaatliche Ordnung. Unzutreffend dagegen ist die Behauptung, die der Morgenthau-Blog am Ende seiner Story in die Welt pustet: (mehr…)

Linkdump

English:

German:

Aus dem iranischen Strafgesetzbuch

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hadd für liwat

138/139/108 liwat ist das Koitieren (wat‘) eines Männlichen (insan mudakkar) [durch Eindringen mit dem Glied].
139/140/109 Wenn jemand einen Männlichen koitiert, sollen beide, der Aktive und der Passive, zur hadd-Strafe verurteilt werden. [ … ]
140/141/110 Die hadd-Strafe für liwat ist die Tötung;
—/141/110 der schari‘a-Richter entscheidet über die Tötungsart.
141/142/111 Auf liwat steht die Tötung, wenn Aktiver und Passiver volljährig und geistig gesund sind und freiwillig (handelten).
141/—/— Deshalb zieht liwat einer minderjährigen, schwachsinnigen oder dazu gezwungenen Person nicht die Tötung nach sich.
142/143/112 Wenn ein volljähriger und geistig gesunder Mann einen Minderjährigen koitiert, soll der Aktive getötet werden, und der Passive soll nach dem Ermessen des Richters gezüchtigt werden [mit bis zu 74 Peitschenhieben], so er nicht dazu gezwungen wurde.
143/144/113 Wenn ein Minderjähriger einen andern Minderjährigen koitiert, sollen sie nach dem Ermessen des Richters gezüchtigt werden, es sei denn, einer von beiden wurde dazu gezwungen.
143/144/— Anmerkung: Samenerguß während des Aktes erweist die Volljährigkeit des Aktiven.

Art und Weise des Beweises von liwat

A. Geständnis

144/145/114 Wenn der Aktive oder Passive viermal [vor dem Richter] gesteht, so ist liwat für den Geständigen erwiesen.
145/146/116 Das Geständnis ist gültig, wenn der Geständige volljährig und geistig gesund ist und freien Willen und Vorsatz hat.
146/147/115 Wenn der Aktive oder der Passive weniger als viermal gesteht, so gilt liwat nicht als bewiesen, aber der Richter soll nach seinem Ermessen züchtigen.

B. Zeugnis

147/148/117 liwat wird durch das Zeugnis vier rechtschaffener Männer erwiesen, die ihn (den liwat) mit eigenen Augen gesehen haben.
148/149/118 Wenn weniger als vier rechtschaffene Männer das bezeugen, so ist liwat nicht bewiesen, und die Zeugen sollen zum hadd für Verleumdung verurteilt werden.
149/150/119 Das Zeugnis von Frauen beweist liwat nicht — weder allein, noch zusammen mit Männern.

C. Das Wissen des Richters

150/151/120 Der Richter kann ein Urteil auf Grundlage seines Wissens, das er auf allgemein üblichem Wege (az tariq-i muta‘arif) erlangt hat, fällen.

Schenkelverkehr (tafhid)

151/152/121 Die Strafe für tafhid und Ähnliches begangen von zwei Männlichen ohne Eindringen, ist 100 Hiebe für den Aktiven und den Passiven. Anmerkung: Wenn der Aktive kein Muslim ist und der Passive es ist, wird der Aktive getötet.
152/153/122 Wenn tafhid oder Ähnliches dreimal wiederholt wird und die hadd-Strafe jedesmal verhängt worden ist, sollen beide beim vierten Mal getötet werden.
153/154/123 Wenn zwei nicht blutsverwandte Männer ohne Not (d.h. ohne guten Grund) nackt unter einer Decke liegen, sollen sie [mit bis zu 99 Peitschenhieben] (nach dem Ermessen des Richters) gezüchtigt werden.
154/155/124 Wenn jemand eine andere Person lüstern küsst, soll er [mit bis zu 60 Peitschenhieben] (nach dem Ermessen des Richters) bestraft werden.

Bedingungen der Strafaufhebung und der Vergebung bei liwat

155/156/126 Falls der Begeher von tafhid oder Ähnlichem oder der luti seine Handlung — ob mit oder ohne Eindringen — bereut, bevor die Zeugen Zeugnis abgelegt haben, soll die hadd-Strafe fallengelassen werden, und falls er bereut, nachdem Zeugnis abgelegt wurde, soll die hadd-Strafe nicht fallengelassen werden.
156/156161/125 Falls die Handlungen durch Geständnis bewiesen werden, kann der Richter vergeben [bei wali al-amr den Antrag auf Begnadigung stellen] … … …

Kuppelei

165/135 Kuppelei ist das Zusammenführen oder In-Verbindung-Bringen von zwei Personen zum Zwecke von zina oder liwat.
166/136 Kuppelei wird durch zweimaliges Geständnis bewiesen, sofern der Geständige volljährig, geistig gesund und freien Willens ist.
167/137 Kuppelei wird durch das Zeugnis zweier unbescholtener Männer bewiesen.
168/138 Die Strafe für Kuppelei ist siebzig [75] Peitschenhiebe und Verbannung vom Wohnort für einen vom Richter festzusetzenden Zeitraum. Beachte: Die Strafe für Kuppelei (begangen) von einer Frau ist fünfundsiebzig Peitschenhiebe.

Verleumdung (qadf)

169/139 Verleumdung (qadf) ist jemandem zina oder liwat nachzusagen.
170/140 Die hadd-Strafe für qadf ist achtzig Peitschenhiebe gleich ob ein Mann oder eine Frau verleumdet. [Erläuterung 1: Die Verhängung der hadd-Strafe für Verleumdung hängt vom Antrag des Verleumdeten ab.] Beachte: Wer eine Person nicht wegen zina oder liwat verleumdet, sondern anderer Vergehen wie etwa Tribadie, wird mit dreißig bis fünfzig [bis zu 74] Peitschenhieben bestraft … … …
174/143 Wer jemandem nachsagt, er habe zina mit einer Frau oder liwat mit einem Mann begangen, macht sich der Verleumdung schuldig; er wird mit hadd bestraft … … …
195/160 Wer jemanden mehrmals wegen verschiedener Dinge wie zina oder liwat verleumdet, wird mit mehreren hadd-Strafen bestraft.

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Übersetzung von Arno Schmitt (PDF)

Iranian Mullahs Execute Two Teenagers For Gay Sex

Iranian Mullahs Execute Two Teenagers For Gay Sex

„Even kissing ‚with lust‘ (Article 155) is forbidden. This bizarre law works to eliminate old Persian male-bonding customs, including common kissing and holding hands in public. […] In the case of the two teens hanged in Mashhad, ‚they admitted having gay sex (probably under torture) but claimed in their defense that most young boys had sex with each other and that they were not aware that homosexuality was punishable by death.“

(via direland)

Quote of the day

Under Sharia law = it sucks to be gay. Under Saddam’s secularized dictatorship = it sucked to be gay. I was hardly trying to make the point that Saddam was some hero of gay rights and the coalition fucked it up. Of course, under American theocratic law, it sucks to be gay too — but the executions are freelance rather than official.

(digaman via maledei)